Politik
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Gedüngter Profit

|    Ausgabe vom 3. Mai 2019

Seit Jahren blockieren führende Agrarpolitiker jeglichen Fortschritt hin zu einer naturverträglicheren Landwirtschaft. Das ergab eine Recherche des Südwestrundfunks, basierend auf Daten der Universität Bremen. Den Auswertungen zufolge stimmen Agrarpolitiker an entscheidender Stelle, zum Beispiel im Agrarausschuss, zugunsten der Industrieinteressen. Dabei seien engste Verflechtungen zwischen Großbetrieben der Agrarwirtschaft, Verbänden und Ernährungsindustrie zu finden, meldet die Rundfunkanstalt.
Am Beispiel Düngeverordnung zeichnet der SWR es nach: Seit Jahren beklagen Wasserwerke in weiten Teilen der Republik die zunehmende Nitratbelastung des Grundwassers als Folge einer Überdüngung der Böden mit Gülle. Nitrat im Wasser gilt als krebserregend und vor allem für Kleinkinder gesundheitsschädlich. Den Düngeeintrag zu reduzieren hätte aber weitreichende Folgen für die stark exportorientierte deutsche Fleischindustrie. Sie verdient Milliarden an den rund 65 Millionen Schweinen, die Jahr für Jahr in Deutschland gemästet und geschlachtet werden, ist aber nicht bereit, die dabei entstehenden Umweltkosten zu tragen.
2017 sollte eine neue Düngeverordnung das Gülleproblem eindämmen. Bis in die letzten Minuten vor der Abstimmung über den Verordnungsentwurf sei an den zulässigen Werten gedreht worden. Die Empfehlung des Wissenschaftlichen Sachverständigen, Friedhelm Taube von der Uni Kiel, übernahm der Agrarausschuss nicht, sondern einen um 30 Prozent höheren Wert.


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