Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 9. August 2019

Rahmenprogramm
Ganz ohne geht nicht, aber mehr als ein Rahmen soll es auch nicht sein. Der Deutsche Kulturrat kritisiert die Praxis der „Evangelischen Kirchentage“, das Kulturprogramm weitab vom Ort des eigentlichen Geschehens stattfinden zu lassen. Zuletzt Ende Juni in Dortmund, eine halbe Stunde Fahrzeit entfernt, fand das nett gemeinte Event zu Kunst und Kultur im Norden Dortmunds statt. Der Kern des Kirchentages mit seinen vielfältigen Diskussionsorten fand rund um die Westfalenhalle statt. Diese Praxis ist schon seit einigen evangelischen Kirchentagen zu beobachten, die Kultur erhält exklusive Orte, aber außerhalb des politischen Geschehens. Von den „Römischen“ kann man selbst das nicht sagen, die wollen weder Künstler, Kunstproduktionen noch Debatten. Entweder gut katholisch oder gar nicht.
Cleverle
Der ehemalige Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma hat was für die „Saure-Gurken-Zeit“ produziert. Er schlägt ein Gerhard-Richter-Museum in der Stadt vor. Schramma hat eine Idee: Das Stadtmuseum sanieren, obwohl ein Neubau nötig ist – ob großer Schäden und Mängel –, will er den geplanten Neubau nutzen für seine Idee. Schramma hat seine Idee natürlich nicht mit dem Künstler besprochen, Gerhard Richter ist der am besten bezahlte lebende Maler. Seit fast 40 Jahren lebt der 87-jährige gebürtige Dresdner in Köln. Mittlerweile ist er Ehrenbürger der Stadt. Er hat sich nun eindeutig geäußert und der Idee eine klare Absage erteilt: „Den Soloauftritt durch ein Einzelmuseum brauche ich aber gar nicht.“
Adelslinien
Druck machen ist in Adelsfamilien Jahrhunderte lang geübte Praxis. Das Haus Hohenzollern gibt nicht klein bei und will den zusammengerafften und -geraubten Besitz zurückhaben. Die „preußische Linie“ stellte Fürsten, Könige und Kaiser, stand freundlich den deutschen Faschisten bei, fühlt sich im politischen Aufwind und will der behaupteten Armut durch Sieger-Unrecht endlich entkommen. Die „schwäbische Linie“, immerhin zählen Herzöge und Könige zu ihren Ahnen, bleibt dagegen ruhig, sie verwaltet den florierenden Familienbetrieb über eine Unternehmensgruppe mit einem Jahresumsatz von rund 600 Millionen Euro. In Sigmaringen sitzt man im eigenen Schloss und muss nicht so fechten wie die armen preußischen Verwandten.


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Leserbrief zu Artikel »Kultursplitter«, UZ vom 9. August 2019





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