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Totes Holz

Waldgipfel: Bundesregierung verspricht Geld
Von Bernardo Cantz
|    Ausgabe vom 4. Oktober 2019

Stürme, der trockene Sommer und der starke Befall mit Borkenkäfern haben den deutschen Wäldern in diesem Jahr erhebliche Schäden zugefügt. Dieses Jahr müssen rund 180000 Hektar (mehr als doppelt so groß wie Deutschlands größte Stadt Berlin) wieder aufgeforstet werden. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) stellte am Mittwoch in Berlin beim „Nationalen Waldgipfel“ zusätzliche Mittel von Bund und Ländern von bis zu 800 Millionen Euro in den kommenden vier Jahren in Aussicht, um den Wald fit für den Klimawandel zu machen. Umweltschützer mahnten dagegen eine „ökologische Waldwende“ an.
Klöckner machte deutlich, für Nothilfen seien von der Bundesregierung nach aktuellem Verhandlungsstand zusätzliche 547 Millionen Euro zu erwarten. Hinzukommen sollten ergänzende Mittel aus den Bundesländern, so dass eine Summe von insgesamt 800 Millionen Euro zusammenkommen könnte. Wie das Geld verwendet werden soll, darüber wolle man weiter beraten, so Klöckner. Neben Wiederaufforstung solle es dabei auch um praktische Erleichterungen für die Waldbesitzer gehen.
Klöckner rief dazu auf, ideologische Debatten zu vermeiden. Beim Aufforsten seien Mischwälder mit einem breiten Spektrum heimischer, standortangepasster Baumarten bevorzugt zu fördern. Der Bund wolle nicht Schäden ersetzen, sondern bei der Klima-Anpassung helfen. Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) betonte in Berlin, die Wälder müssten von Monokulturen zu „stabilen Klimawäldern“ umgebaut werden, die Dürren und extremen Regen besser aushalten könnten. Solche Wälder hätten eine grundlegende Basis: „Bäume müssen groß und alt werden können“, sagte sie.
Damit greifen beide Ministerinnen ein Argument von Umweltschützern auf. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) macht seit längerem auf den Zustand der Wälder in der Bundesrepublik und auf die Nachteile der bestehenden Monokulturen aufmerksam. Infolge der anhaltenden Trockenheit und der Hitze der vergangenen Jahre habe sich die Situation dramatisch zugespitzt, heißt es auf der Internetseite der Umweltorganisation. Wälder und Waldböden seien ausgedorrt, die Bäume geschwächt und anfällig. Die Waldbestände, die in Monokulturen angepflanzt wurden, drohten zusammenzubrechen. Deshalb sei eine ökologische Waldwende überfällig.
Dem BUND geht es dabei um ökologische Mindeststandards, die im Bundeswaldgesetz festgeschrieben werden müssten. Darüber hinaus sollen öffentliche Wälder besonders vorbildlich bewirtschaftet werden: Im Zentrum solle nicht mehr der Holzertrag stehen, sondern der Erhalt des Waldökosystems. Bürger und Kommunen, die im Besitz von Wald sind, sollen darüber hinaus für besondere ökologische Leistungen finanzielle Unterstützung erhalten.
Wie der BUND fordert auch die Gewerkschaft IG BAU für Wiederaufforstung und für den ökologischen Waldumbau mehr Personal. Der Vize-Vorsitzende der IG BAU Harald Schaum betonte am Mittwoch: „Der klimagerechte Umbau des Forstes ist eine Mammutaufgabe, die sich nur mit zusätzlichem Personal stemmen lässt“. Gebraucht werde ein zusätzlicher Forstbeschäftigter auf 1.000 Hektar. Bei den elf Millionen Hektar Wald in Deutschland bedeute das einen Mehrbedarf an 11000 Beschäftigten - jeweils zur Hälfte für den privaten und den öffentlichen Forst.


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Leserbrief zu Artikel »Totes Holz«, UZ vom 4. Oktober 2019





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