Zur Ermordung Kennedys vor 60 Jahren

Der Präsidentenmord

Als die CIA 1967 feststellen musste, dass der Warren-Report nicht gerade üppige Überzeugungskraft besaß, kabelte die Zentrale an ihre Stationen, dass diese Zweifel mit dem „Argument“ zu diskreditieren seien, hier handle es sich um „Verschwörungstheorien“. Ein bis heute erfolgreiches Muster. Die im Report über die Ermordung von Präsident John F. Kennedy vertretenen Theorien waren so haarsträubend, dass kaum jemand mit gesundem Menschenverstand an den Einzeltäter Lee Harvey Oswald oder die Zauberkugeltheorie glauben mochte und mag.

Kennedy hatte die „Freiheitskämpfer“ schon bei dem CIA-Mafia-Joint-Venture in der Schweinebucht im Regen stehen lassen und den Einsatzbefehl für die US-Kriegsmaschine ebenso verweigert wie die Zustimmung zur Pentagon-Operation „Northwoods“. Diese sah US-Geheimoperationen unter falscher Kuba-Flagge gegen US-Zivilisten vor, welche die Bereitschaft für eine Invasion Kubas erzeugen sollten. Nach seiner „Friedensrede“ am 10. Juni 1963 an der American University, in der Kennedy unmissverständlich einer herbeigebombten Pax Americana abschwor und angesichts der nuklearen Vernichtungspotentiale stattdessen „einen Frieden für alle Männer und Frauen“ forderte, war dem US-Sicherheitsstaat klar, dass mit so jemandem die geplanten Kriege nicht zu führen sein würden. Fünf Monate später, am 22. November 1963, war der US-Präsident tot.

In den 1950er Jahre arbeitete die US-Rüstungsindustrie mit Hochdruck, um die notwendigen Atomwaffen für den Vernichtungsschlag gegen die Sowjetunion und die VR China zusammenzubringen. Alle Orte über 25.000 Einwohner sollten atomar zerstört werden. Anfang der 1960er Jahre wurde den realistischen Kräften aber klar, dass die Sowjetunion mittlerweile zu viele Atomwaffen produziert hatte. Angesichts des Diktums, „Wer zuerst schießt, stirbt als Zweiter“, wurde ein Strategiewechsel erforderlich. Kennedy steht und stirbt an dieser Zeitenwende. Mit John F. Kennedy, Robert Kennedy, Martin Luther King, Malcolm X und vielen anderen Ermordeten starb ein Stück Hoffnung auf eine Wende zu Demokratie und friedlicher Entwicklung. Der US-Sicherheitsstaat, der keine Skrupel hat, den eigenen Präsidenten zu töten, hat diese Hemmungen erst recht nicht, wenn es ihm angeraten erscheint, irgendwo auf der Welt zu Krieg, Mord und Folter zu greifen.

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"Der Präsidentenmord", UZ vom 24. November 2023



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