Manfred Ziegler zu Trumps Jahrhundertdeal in Syrien

Die USA lassen kämpfen

Drei Ehemalige – ein US-Diplomat, ein Elite-Soldat der US-Delta-Forces und ein leitender Angestellter einer Ölfirma – gründen eine neue Firma und beuten gemeinsam mit den „Demokratischen Kräften Syriens“ (SDF) syrische Ölquellen aus. Unter Soldaten – US-Delta-Forces-Soldat Reese und SDF-Kommandant Kobani – einigt man sich problemlos und Verzögerungen ergeben sich nur, weil niemand von vornherein erwartet, dass die US-Behörden die Sanktionen für den Deal so schnell außer Kraft setzen würden.

Trumps Deal des Jahrhunderts macht Schule. Trump verteilt Länder, die ihm nicht gehören, die SDF verteilen Ölkonzessionen, die dem syrischen Staat und nicht ihnen gehören. Angesichts der Machtverhältnisse eine lässliche Sünde, die man aber doch lange vor Russland verheimlichen wollte. „Wir werden das syrische Öl sichern und müssen vielleicht darum kämpfen“, erklärte Präsident Trump im Oktober letzten Jahres. Und Reese meinte schon zuvor, der „gesamte Osten Syriens gehört uns“, also den USA.

Doch die USA müssen nicht kämpfen, sie lassen kämpfen. Und der Osten Syriens gehört nicht den Besatzungstruppen der USA, wie man hört, sondern der demokratischen Selbstverwaltung. Aber keine Sorge, die USA kommen nicht zu kurz. Das Pentagon bestätigte in einem Quartalsbericht die Binsenwahrheit, die alle kennen, die man aber nicht gerne beim Namen nennt: Die strategische – pardon, die dauerhaft taktische – Partnerschaft zwischen den kurdisch geführten SDF und den USA. Das Pentagon meint lakonisch: „(Für die SDF) bleiben die USA Partner der Wahl.“

Für die Zukunft kann Ex-Soldat Reese den SDF weitere Dienstleistungen anbieten: Seine Sicherheitsfirma TigerSwan ist mit militärischen und geheimdienstlichen Methoden gegen Umweltproteste vorgegangen. Ein Unternehmen, in dessen Umfeld in den USA Umweltschützer bespitzelt und bekämpft wurden, soll nun die grüne Revolution nach Syrien bringen? Ganz gewiss nicht. Die US-Kontrolle über das syrische Öl soll die syrische Regierung weiter schwächen. Und die gemeinsame Schandtat unter dem Schutz der US-Armee wird den Pakt zwischen SDF und USA noch weiter stärken.

Der US-Imperialismus als Partner der Wahl? Kein Problem für gutes Marketing. Es verweist einfach auf die Stärkung der Selbstverwaltung und den Umweltschutz. Die Spannungen zwischen arabischen Stämmen und den SDF verschärfen sich angesichts des Deals. Für gutes Marketing ist auch das kein Problem: Alles die Schuld von geheimen Zellen des IS und „des Regimes“.

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"Die USA lassen kämpfen", UZ vom 21. August 2020



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