Asteroideneinschläge könnten heute noch nicht verhindert werden

Gefahr aus dem All

Asteroideneinschläge prägten die Frühzeit der Erde, vor allem vor etwa 4,1 bis 3,7 Milliarden Jahren. Doch die Spuren dieser Einschläge sind längst verschwunden. Möglicherweise brachten Asteroiden aber Wasser auf unseren Planeten und – wie auch Kometen und kleinere Himmelskörper – Bausteine für Leben. Asteroiden- und Kometeneinschläge auf der Erde führten später jedoch offenbar mehrfach auch zu Massensterben. Der älteste bekannte Einschlag geschah vor mehr als 2,2 Milliarden Jahren in Australien.

Vor 66 Millionen Jahren war es mit großer Wahrscheinlichkeit ein Asteroideneinschlag, der ursächlich war für das Aussterben der Dinosaurier und anderer Arten. Seitdem ist die Erde von Einschlägen derart großer „Brocken“ verschont geblieben. Wissenschaftler weisen jedoch darauf hin, dass die Menschheit bislang Glück gehabt hat, denn im Bereich der inneren Planeten unseres Sonnensystems bewegen sich eine ganze Reihe von Asteroiden, die der Erde auf ihrer Bahn näher kommen. Ab und zu erfährt man darüber in den Nachrichten. So nähert sich derzeit der Asteroid „2009JF1“ der Erde und kommt ihr im Mai nächsten Jahres ziemlich nahe. Es ist allerdings sehr unwahrscheinlich, dass er mit der Erde kollidiert. Dazu müsste er von seinem Kurs abgebracht werden.

Was würde aber heute geschehen, wenn ein Asteroid der Erde nicht nur nahe käme, sondern tatsächlich ein Einschlag droht? Die NASA hatte 1998, nachdem Komet „Shoemaker-Levy 9“ 1994 auf dem Jupiter eingeschlagen war, vom US-Kongress den Auftrag erhalten, Kometen und Asteroiden, deren Durchmesser größer sind als ein Kilometer und deren Bahn der Erde nahe kommt, zu katalogisieren. 2005 wurde der Auftrag dahingehend erweitert, ein entsprechendes Instrumentarium zu schaffen, Objekte ab einem Durchmesser von 140 Meter zu erfassen. Auch anderswo wird der Weltraum nach entsprechenden Objekten „durchsucht“. Gefahren sollen möglichst früh entdeckt werden. Zwar gab es schon mehrfach Alarm, doch der stellte sich glücklicherweise wiederholt als falsch heraus. Wobei auch kleinere Objekte wegen der hohen Geschwindigkeit, mit der sie auf die Erde treffen würden, eine Gefahr darstellen.

Heutzutage könnten wir einen Asteroideneinschlag noch nicht abwenden. Das zeigt eine aktuelle Simulation der NASA. Die Realität ist eben eine andere als jene, die Hollywood-Streifen wie „Armageddon“ zeigen. In der Simulation wurde angenommen, dass ein Asteroid in 56 Millionen Kilometern Entfernung von der Erde entdeckt wird. Sechs Monate nach seiner Entdeckung soll er auf der Erde einschlagen. Weitere Details – etwa, wie groß der Asteroid ist – waren unbekannt. Die Teilnehmenden sollten die Reaktionen auf die Bedrohung aus dem All simulieren und so üben, auf eine solche Gefahr zu reagieren. Doch sie fanden kein Mittel, den drohenden Einschlag abzuwenden. Um das zu gewährleisten, bräuchte man derzeit weitaus mehr Zeit als sechs Monate. Fünf Jahre seien das Minimum, so Paul Chodas, Leiter des NASA-Zentrums für die Beobachtung erdnaher Objekte (CNEOS). Der MIT-Astronom Richard Binzel meint dagegen, wir bräuchten für eine angemessene Reaktion mindestens ein Jahrzehnt.

Auch wenn es genügend, teils exotische, Vorschläge gibt wie den Beschuss mit Laserkanonen oder die Zerstörung des Asteroiden mittels Wasserstoffbomben, die Anbringung von Raketentriebwerken, um den anfliegenden Asteroiden abzulenken oder zu zerstören: Sie sind (noch) nicht umsetzbar. Vorgeschlagen wird auch, den Asteroiden zu rammen und aus seiner Bahn zu werfen. Die US-Weltraumbehörde hat deshalb bereits vor einigen Jahren gemeinsam mit dem Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL) das Programm „Hammer“ gestartet. Die Idee: Ein mehr als acht Tonnen schweres Raumfahrzeug wird auf den Asteroiden gelenkt und soll ihn rammen. Im Blick ist dabei unter anderem der Asteroid „Bennu“, der bereits „Besuch“ von der Erde erhalten hatte. In den kommenden Jahrzehnten wird man gewiss Mittel und Wege gefunden haben, solche Bedrohungen aus dem All abzuwenden. Dazu wird auch international kooperiert.

Übrigens: 2016 stellte Dante Lauretta, Professor für Planetenforschung an der Arizona University, fest, dass „Bennu“ nach dem Jahr 2135 der Erde und der Menschheit Ungemach bringen könnte. 2135 soll der Asteroid „Bennu“ der Erde näher kommen als der Erdmond. Der Vorbeiflug könnte seine weitere Flugbahn so verändern, dass der Asteroid im späteren Verlauf desselben Jahrhunderts mit der Erde kollidiert. Die Chancen dafür, dass „Bennu“ die Erde bis zum Jahr 2300 trifft, liegen bei 1 zu 1.750.

Über die Autorin

Nina Hager (Jahrgang 1950), Prof. Dr., ist Wissenschaftsphilosophin und Journalistin

Hager studierte von 1969 bis 1973 Physik an der Humboldt-Universität in Berlin. Nach dem Abschluss als Diplom-Physikerin wechselte sie in das Zentralinstitut für Philosophie der Akademie der Wissenschaften der DDR und arbeite bis zur Schließung des Institutes Ende 1991 im Bereich philosophische Fragen der Wissenschaftsentwicklung. Sie promovierte 1976 und verteidigte ihre Habilitationsschrift im Jahr 1987. 1989 wurde sie zur Professorin ernannt. Von 1996 bis 2006 arbeitete sie in der Erwachsenenbildung, von 2006 bis 2016 im Parteivorstand der DKP sowie für die UZ, deren Chefredakteurin Hager von 2012 bis 2016 war.

Nina Hager trat 1968 in die SED, 1992 in die DKP ein, war seit 1996 Mitglied des Parteivorstandes und von 2000 bis 2015 stellvertretende Vorsitzende der DKP.

Hager ist Mitherausgeberin, Redaktionsmitglied und Autorin der Marxistischen Blätter, Mitglied der Marx-Engels-Stiftung und Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin.

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"Gefahr aus dem All", UZ vom 10. September 2021



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