Zum Kahlschlag bei Galeria Karstadt Kaufhof

Großreinemachen

Die Nachricht ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten von Galeria Karstadt Kaufhof. Medien berichten, dass der neue Sanierungsplan die Schließung von 80 der 170 Filialen und die Streichung von 5.000 Vollzeitarbeitsplätzen vorsieht. Existenzen und Perspektiven drohen vernichtet zu werden. Das ist das Ergebnis von jahrelangem Vertragsbruch, Spekulation und Missmanagement.

Es ist die Klarheit darüber, wie ernst es Banken, Kapital und herrschender Politik mit der vielbeschworenen Anerkennung der Leistung der im Einzelhandel Beschäftigten ist. Die Corona-Pandemie wird genutzt, um Kahlschlagpläne durchzusetzen, statt ein notwendiges Sanierungskonzept zu erarbeiten.

Karstadt und Kaufhof waren über Jahrzehnte ein Spielball für windige Investoren, dafür stehen Namen wie Berggruen und Benko. Dafür steht entsprechendes Management. So fiel Thomas Middelhoff dadurch auf, dass er seinem bonzenhaften Spitznamen „Big T“ alle Ehre machte und per Charterflug zwischen seinem Wohnort Bielefeld und dem Sitz der Konzernzentrale in Essen pendelte. Die Geschwindigkeit, mit der Eigentümer und Management wechselten, ist ein sicherer Beleg dafür, dass es nie um eine tatsächliche Sanierung, um die Lösung realer Probleme durch die Bedrohung durch jüngere Monopole wie Amazon ging. Es ging darum, den schnellen Euro rauszuholen, auf dem Rücken der Beschäftigten und ohne Rücksicht auf deren Lebensperspektiven.

Die Beschäftigten und ver.di haben vielfach gehofft, dass Verzicht helfen könnte oder das Kapital vertragstreu wäre. Betriebsbedingte Kündigungen sollten bis 2024 ausgeschlossen sein – und dann kam der „Glücksfall“ Pandemie. Das Unternehmen beantragte ein Schutzschirmverfahren, also die Insolvenz in Eigenregie, und will damit nun den Kahlschlag umsetzen.

Die Beschäftigten bei Galeria Karstadt Kaufhof müssen nun unter Corona-Bedingungen einen Kampf um ihre Arbeitsplätze führen. Das ist ungeheuer schwer, angesichts der Bedingungen, aber auch angesichts dessen, dass sie über Jahre und Jahrzehnte erfahren haben, dass Kapital bei entsprechendem Profit keine Verbrechen scheut. Sie brauchen nun Solidarität – für sich und für die gesamte Arbeiterklasse.

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"Großreinemachen", UZ vom 22. Mai 2020



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