Rassismus und Sexismus im transatlantischen Ländervergleich

In der Hölle ist noch Platz

Von Eva Petermann

Madeleine Albright, Ex-Außenministerin der USA, hat kürzlich weibliche Solidarität eingefordert: „Für Frauen, die sich nicht gegenseitig helfen, ist ein ganz besonderer Platz in der Hölle reserviert.“ Ihr missfiel, dass Umfragen zufolge nahezu Dreiviertel der jungen Amerikanerinnen nicht für die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton stimmen würden, sondern für einen Mann, den 71-jährigen Bernie Sanders.

Was ihr vermutlich noch mehr missfiel: Der parteilose Abgeordnete aus Vermont bezeichnet sich als Sozialist. „Wir leben im reichsten Land der Geschichte der Welt. Doch viele Amerikaner wissen das nicht. Weil beinahe das ganze Einkommen und der ganze Reichtum zu den obersten 1 Prozent gehen“, sagt Sanders. Offenbar können die Jungwählerinnen mehr mit solchen Aussagen anfangen als mit Frau Clinton: „Lieber schmore ich in der Hölle, als Hillary zu wählen“, war bei „Democracy Now!“ zu lesen.

Ob Clinton selbst, die durchaus auf Meriten in Sachen Frauen- bzw. Bürgerrechte verweisen kann, sich wohl über die Wahlhilfe der Albright freuen kann? Schließlich erlangte diese Mutter dreier Töchter einst zweifelhaften Ruhm, als sie zu den Folgen des US-Embargos gegen den Irak interviewt wurde. Frage: Dass das Embargo Hunderttausende irakischer Kinder das Leben gekostet hat – war es diesen entsetzlichen Preis wert? Frau Albright antwortete daraufhin ungerührt: „Es ist diesen Preis wert.“

Sie war die erste Frau, die US-Außenministerin wurde. Jetzt möchte Hillary Clinton die erste weibliche Präsidentin werden. Wer die schlimmere Kriegstreiberin von den beiden ist, ist schwer zu entscheiden. Diese zwei „Feministinnen“ haben zusammen so viele Frauen und Kinder auf dem Gewissen, dass man in der Tat ihnen die Hölle wünschen könnte.

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Aber warum in die Ferne schweifen? Denken wir nur an die rheinland-pfälzische CDU-Kandidatin Julia Klöckner. Wetteifernd mit ihrem geistigen Ziehvater Seehofer (CSU) fordert sie stetig strenge Obergrenzen bei der Aufnahme Geflüchteter und ihrer Familien – koste es, was es wolle.

Weiß sie nicht, dass mittlerweile mehr Frauen und Kinder auf der Flucht sind als erwachsene Männer? In ständiger Angst, krank und geschwächt, schwanger oder kurz nach einer Geburt haben es diese Mädchen, junge und alte Mütter endlich hierher geschafft. Wie steht es nun mit der Solidarität unter Frauen, Frau Christdemokratin? Mit dem Schutz von Minderjährigen? Schutz der Familie? Schon mal von diesen „unseren Werten“ gehört?

Erwartungen ihres Anhangs noch übertroffen hat in diesem Zusammenhang das weibliche Führungspersonal der AfD. Interviewfrage: Was soll eigentlich konkret passieren, wenn auch der höchste Maschendrahtzaun die Verzweifelten nicht abhält vom Grenzübertritt? Da wird nicht lange gefackelt. Frauke Petry und Beatrix von Storch sind sich einig: Dann muss geschossen werden. Auch auf Kinder? Das vielleicht doch nicht. „Nur auf ihre Mütter.“

Dieselben Damen können ansonsten supersensibel sein beim Thema Kindesmissbrauch oder sexuelle Gewalt gegen Frauen. Aber nur, wenn Nicht-Deutsche unter Verdacht stehen. Da gehen „Frauenrechtlerinnen“ ihres Schlages direkt auf die Barrikaden – wie nach der unsäglichen Silvesternacht in Köln oder der vermeintlichen Vergewaltigung der 13-jährigen Tochter einer russischstämmigen Berliner Familie. Keinerlei Berührungsängste zu Pegida & Co. oder zu Nazi-Organisationen wie der NPD? I wo. Der inszenierte Aufschrei gegen sexuelle Gewalt eint und stärkt die gesprenkelte Rechte. Dabei hetzen die Konzernmedien kräftig mit.

Frau reibt sich die Augen: Soviel Unterstützung für die Opfer von Missbrauch und Vergewaltigung war in diesem Land noch nie da. Die Erfahrung vieler Frauen ist doch eher, dass Polizeistellen sich endlos drehen und winden, ehe sie überhaupt eine Anzeige gegen den Vergewaltiger aufnehmen. Das ist in etwa vergleichbar mit dem kriminalistischen Feuereifer, mit dem Überfälle auf NazigegnerInnen aufgeklärt wurden und werden. Oder eben auch nicht.

Wer jetzt noch nicht gemerkt hat, wie mit dem Thema „Gewalt gegen Frauen“ rassistisches Ressentiment geschürt wird, dem/der ist nicht zu helfen. Diese Manipulationsmethode ist uralt. So gehört der Mythos vom „schwarzen Vergewaltiger“ zum propagandistischen Standard-Arsenal weißer Rassisten und Rassistinnen.

Und: Ist nicht nahezu zeitgleich die Verschärfung des Asylrechts durch den Bundestag gepeitscht worden?

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"In der Hölle ist noch Platz", UZ vom 4. März 2016



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