Zur Grenzsicherung der DDR am 13. August 1961

Beitrag zur Friedenssicherung

Die historische Wahrheit ist nicht nur Grundlage und Bestandteil der allgemeinen Kultur des Menschen. Sie sollte auch Lernstoff für ein verantwortungsvolles Verhalten der Menschen und besonders von Politikern bei der Gestaltung friedlicher Lebensbedingungen sein. Das Wissen um die tatsächlichen Vorgänge, die zu den Sicherungsmaßnahmen der DDR an den Grenzen zur BRD und zu Westberlin am 13. August 1961 geführt haben, ist entscheidend für das Verstehen der Grundprozesse unserer Epoche und für das Positionieren des Einzelnen und der Friedenskräfte in den Kämpfen unserer Tage.

Die westlichen Besatzungsmächte und die ihrer Bestrafung entgehenden Monopolkreise in der BRD schrieben Westberlin und der BRD schon in der zweiten Hälfte der 40er Jahre die Rolle einer Störzentrale gegen die Sowjet-union und die damals entstehenden volksdemokratischen Staaten zu. Sehr deutlich erläuterte das der Autor John Foster Dulles in seinem 1950 erschienen Buch „War or Peace“: Die Aufgabe des westdeutschen Staates wird es sein, „Ostdeutschland in den Machtbereich des Westens“ zu ziehen und so „eine vorgeschobene strategische Position in Mitteleuropa zu gewinnen, welche die sowjetkommunistischen militärischen und politischen Positionen in Polen, der Tschechoslowakei, in Ungarn und anderen angrenzenden Ländern unterminiert“.

Im Klartext hieß das: „kalter Krieg“ und ständiger Bruch des Potsdamer Abkommens. Im Rahmen dieser Strategie der Eingliederung der DDR in den Machtbereich des Kapitals, des „Rollback“ des Sozialismus und der Unterminierung der sozialistischen Positionen in den volksdemokratischen Staaten waren Westberlin und der BRD eine zentrale Rolle zugedacht. Westberlin sollte als Brückenkopf inmitten der damaligen sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR die Entwicklung des Sozialismus stören und gleichzeitig als Zentrum für Spionage und Diversion jeder Art dienen. Die BRD war dabei der „Heizmeister“. Im Sinne seiner Auftraggeber bezeichnete der Westberliner Bürgermeister Ernst Reuter die Stadt als „billigste Atombombe“. Von ihm stammt auch der Ausspruch: „Wir sind der Pfahl im Fleische der Sowjetzone. Berlin ist die Klinke …, mit der die Tür nach dem Osten aufgestoßen werden kann.“

Zu diesem Zweck wurden die normale Entwicklung Westberlins gestört und die Normalisierung seiner Beziehungen zur DDR blockiert. Westberlin, mitten auf dem Territorium der DDR gelegen, wurde zum Bundesland der BRD erklärt. Die Spaltung der Währung wurde vollzogen, die Währungsspekulation blühte, die 1945 geschaffene einheitliche Stadtverwaltung wurde zerstört, Tagungen des Bundestages und seiner Ausschüsse wurden widerrechtlich in Westberlin durchgeführt und so weiter. Dabei handelte die Regierung der BRD in Übereinstimmung mit den drei westlichen Besatzungsmächten.

Die völkerrechtswidrige Ausnutzung Westberlins als Herd von Provokationen und Störmanövern der verschiedensten Art gegen die DDR erzwang wirksame Gegenmaßnahmen, um die Grenze unter Kontrolle zu bringen. Am 13. August 1961 wurde in Übereinstimmung mit den Staaten des Warschauer Vertrages die Taktik des Frontalangriffs gegen die DDR und die sozialistischen Länder durchkreuzt. Ein Kriegsherd wurde eingedämmt! Der Praxis der ökonomischen und finanziellen Ausplünderung der DDR wurde ein Riegel vorgeschoben. Die Sicherung der Grenzen der DDR war ein wichtiger Schritt, um die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Kampf um Frieden und Sicherheit in Europa zu schaffen und in den 70er Jahren die Konferenzen über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa mit ihren beispielhaften Beschlüssen durchzuführen.

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"Beitrag zur Friedenssicherung", UZ vom 13. August 2021



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