„Sturm und Dreck“ ist das neue Album von „Feine Sahne Fischfilet“

Da, wo die bösen Onkels wohnen

Von Ken Merten

Wer sich hiesig die letzten ein, zwei Jahre auf eine linke Demo getrollt hat, hat sie vermutlich gehört. Denn der Antirepressionssong „Wut“ von „Feine Sahne Fischfilet“ (gemeinsam mit der Rostocker Rap-Assoziation „Waving the Guns“) war und ist da allgegenwärtig. Auf dem Rücken vieler Szenekids prangen seit ihrem letzten Album „Bleiben oder gehen“ (Audiolith, 2016) wahlweise die „Wut“-Textzeile „Niemand muss Bulle sein“ oder Abwandlungen wie „Niemand muss nüchtern sein“ oder auch „Niemand muss Schlächter sein“.

Die inhaltliche Vielfalt der Meckpommer bleibt auch in ihrem neuen Langspieler „Sturm & Dreck“ erhalten. Das sagt schon der Titel, dass es um das alles und alle in Bewegung setzende große Ganze geht, genauso wie um das Subjektive, den Dreck im Wanderschuhprofil oder die schmutzigen Hand, die das Cover ziert und einen gezogenen Zahn hält. Zusammengeführt heißt das dann im ersten Song „Zurück in unserer Stadt“: „Wir sind zurück in unsrer Nachbarschaft […] und scheißen vor eure Burschenschaft“.

Von ihrem rauen Ska-Punk haben sich „Feine Sahne Fischfilet“ seit Längerem entfernt, schon 2012 mit „Scheitern & Verstehen“, dem ersten Album des Sextetts, das bei Audiolith erschien. Die Band ist wohl die beliebteste deutschsprachige Dreiakkordeband, die es nicht schon seit Ende der Achtziger und der Ära der Gepardenfellmusteraufnäherpunks Tote Hosen und Co. gibt. Zuträglich für ihren Ruhm war eine zweiseitige Widmung im mecklenburg-vorpommerschen Verfassungsschutzbericht 2011. Ohne die wären die „Filets“ jetzt sicher nicht auf nahezu jedem großen Sommerfestival mit Punkquotierung auf der Bühne („Ich kann immer noch nicht sing‘/und spiel‘ jetzt auf Rock am Ring“) und es gäbe sie wohl auch nicht im Theaterstück „Feuerherz“, das 2016 am Volkstheater Rostock Premiere feierte und für das die Band nichts Geringeres als Goethe-Gedichte vertonte.

„Sturm & Dreck“ ist nicht Goethe. „Warum such ich immer nach einem Konflikt?/Wann hab ich das letzte Mal nüchtern gefickt?“, heißt es in „Ich mag kein Alkohol“ und stellt dem Ich die Frage: feierlich saufen oder langweilig lieben? An anderer Stelle geht es in „Suruc“ um das antikurdische Selbstmordattentat vor drei Jahren: „Wir hams verteidigt,/bauens gemeinsam wieder auf“. Sänger Monchi war damals auch in Kobane. „Suruc“ ist neben „Dreck der Zeit“ das politischste Stück auf der LP.

„Sturm & Dreck“ ist durchweg unspektakulärer, mittelsofter Punk. Die Band wird nicht müde zu betonen, dass sie auch außerhalb der linken Szene ankommen will. Da, wo die „Böhsen Onkelz“ in Dauerschleife laufen. Da, wo das Private vom Politischen getrennt ist, wo höchstens Kneipenterrorismus okay geht. „Feine Sahne Fischfilet“ knüpfen daran an, versuchen, einen politischen Mehrwert einzusprenkeln, oft nur als zaghafte Schlaglichter, rarer als die sparsamen Fanfaren im Hintergrund, zwischen vielen dorfjugendlichen Allgemeinplätzen und Reim-dich-oder-ich-beiß-dich-Vers-Enden.

„Wenn ich alt werde/werde ich hier alt“: Scheint, als sei die Band früh alt geworden. Der Rückzug ins Private drängt sich auf.

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Über den Autor

Ken Merten (Jahrgang 1990) stammt aus Sachsen und studiert im Master Literarisches Schreiben & Lektorieren in Hildesheim. Seine Themenschwerpunkte sind Fragen der Ästhetik und die Literatur der Jetztzeit.

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"Da, wo die bösen Onkels wohnen", UZ vom 16. Februar 2018



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