Das Beuteschema der AfD

Ein Kommentar von Werner Sarbok
|    Ausgabe vom 12. Februar 2016

Werner Sarbok

Werner Sarbok

Als Profis zeigen sich die Frontfiguren der AfD in ihrem dreckigen Parteiengeschäft mit der Angst. In CDU/CSU und SPD finden sie verlässliche Zutreiber. Doch hat der Co-Vorsitzende und AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, Jörg Meuthen, nicht Recht, als er laut „Welt“ vom 19. Januar ausführte: „Wahrscheinlich profitieren wir von den Ängsten, aber wir lösen sie nicht aus.“ Die rechten Saubermänner und –frauen lösen diese Ängste bewusst und gezielt aus, denn angstgesteuerte Wähler machen das Beuteschema der AfD aus.

Das Vorgehen der AfD bei diesen Verunsicherungen ist nicht sonderlich originell. „Unsere Werte, unsere Freiheit und unsere Bürgerrechte“ seien gefährdet durch „Merkels Migrationspolitik“, das erklärt Petry auf der Homepage der AfD. Aber es ist ja nicht das Ziel der AfD, originell zu sein, sondern effektiv. Aus den massenhaften sozialen Kollaterialschäden der Politik der großen Koalition und ihrer Vorgängerregierungen will sie Kapital schlagen. Ängste will sie schüren und davon profitieren, mit Schreckensbildern einer „religiös induzierten Zerstörung eines friedlichen und freiheitlichen Europas, hundert Jahre nach dem ersten Weltkrieg.“ Ihre Beute will diese AfD einfahren mit einer von Petry behaupteten „schwindenden Sicherheit auf unseren Straßen und Plätzen“. Eine „Konzeptlosigkeit angesichts der dramatischen Folgen der illegalen, zumeist muslimischen Einwanderung zu kaschieren, ist von Europol und der Polizeigewerkschaft schonungslos entlarvt worden“, führte die AfD-Vorsitzende aus. Dass diesen Sprüchen Pogromnächte folgen, liegt auf der Hand.

Und so geht es um mehr als verunsicherte Wähler, was uns derzeit die AfD bietet. Forderungen nach Schüssen auf Flüchtlinge an unseren Grenzen sind mehr als ein verbaler Tabubruch. Im Visier der AfD stehen zentrale demokratische und soziale Rechte.


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