Die lieben Porsches

Ein Kommentar von Lucas Zeise
|    Ausgabe vom 6. Mai 2016

Den ganzen April über waren Fernsehen, Bild- und andere Zeitungen voll mit Fragen, Nachrichten und empörten Kommentaren über die Manager-Elite bei Volkswagen. Nur durch so erzeugten öffentlichen Druck konnten die Boni für die in der obersten Etage Beschäftigten auf 35 Mio. Euro begrenzt werden. Der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch ließ sich sogar dazu hinreißen, seine eigentlich vereinbarte Vergütung „freiwillig“ von 5,2 Mio. Euro auf nur 2,2 Mio. Euro zu senken. Und der wegen des Abgasskandals im Vorjahr entlassene Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn erhielt als Lohn für seine Bemühungen im vergangenen Jahr nach einem erzwungenen „Verzicht“ nur noch 7,3 Mio. Euro.
Der Autor dieses Kommentars schließt sich hiermit ausdrücklich der öffentlich dargestellten Empörung über die Gier dieser Manager an. Er befindet sich damit in allerbester Gesellschaft – zum Beispiel mit Wolfgang Schäuble, dem Bundesfinanzminister, der diese Manager sanft getadelt hat. Zu dieser guten Gesellschaft gehört auch ein anderer schon etwas älterer Herr namens Wolfgang Porsche, dem man nachsagt, er sei Anthroposoph. „Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, dass man nicht nach Profiten giert, sondern dass man unter Menschen mit Menschen umgeht,“ so sprach der amtierende Anführer des Porsche-Clans. (FAZ, 19.3.2014) Wie recht er hat! Den Porsches und den Piëchs gehören 90 Prozent der Porsche-Holding SE, welche ihrerseits im Besitz von 52,2 Prozent der VW-Stammaktien ist. (Diese Vermögensverwaltungsfirma der Familie Porsche ist nicht identisch mit der Autofirma Porsche, die die teuren unnützen Sportwagen herstellt und seit 2012 eine 100-prozentige Tochter von VW ist, also letztlich auch den Porsches gehört.)
Die Porsches und die Piëchs bestimmen also, wo es lang geht bei VW (und Porsche). Umgekehrt hängen ihre Jahreseinnahmen davon ab, wieviel Geld VW an die Porsche Holding und diese dann ihrerseits an die vom lieben Wolfgang geführten Familienmitglieder ausschüttet. Das sind normalerweise bei der Größe und Profitabilität von VW nicht kümmerliche Millionen- sondern Milliardenbeträge. Bedauerlicherweise hatten die von den Porsche-Piëchs eingesetzten Manager bei VW im Geschäftsjahr 2015 so viel Drohverluste produziert, dass aus dem weiter satt hereinströmenden Cashflow mehr als 16 Mrd. Euro zurückgestellt werden mussten, die Firma also keinen Gewinn, sondern buchhalterisch einen Verlust verzeichnete. Dennoch gelang es dem Aufsichtsrat unter Führung von Pötsch und Mitführung des Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh sowie des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil, aus dem nicht vorhandenen Gewinn noch eine schmale Dividende von 11 Cent je Stammaktie herauszuquetschen.
Bei der Porsche-Holding kommen da nur wahrhaft kümmerliche 17 Mio. Euro an. Herr Pötsch, der nur im Nebenberuf Aufsichtsratsvorsitzender von VW, im Hauptberuf aber Vorstandsvorsitzender der Porsche-Holding und selbst verzichtbereit ist, schlug seinen Eigentümern angesichts der kümmerlichen Ertragslage zunächst vor, ihnen nur 60 Mio. Euro an Dividende auszuschütten. Das kam bei der Familie Porsche-Piëch nicht gut an. Sie beharrten auf satter Ausschüttung, die jetzt doch so ungefähr 300 Mio. Euro betragen soll. Sie wird, wie die Porsche-Holding bekanntgab, aus den reichlich vorhandenen Rücklagen – von 1,7 Mrd. Euro – gespeist.
„Nachhaltige Dividendenpolitik“ sei das, hieß es. Denn im nächsten Jahr werde der Gewinn bei Porsche wieder zwischen 1,4 und 2,4 Mrd. Euro betragen. Das ist als Drohung an VW zu verstehen, im kommenden Jahr die Tributzahlungen an den Großaktionär wieder in alter Höhe aufzunehmen. Was heute an die lieben Porsches ausbezahlt wird, kann im laufenden Jahr nicht als höherer Lohn an die Produzenten der Autos fließen.


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Leserbrief zu Artikel »Die lieben Porsches«, UZ vom 6. Mai 2016





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