Dokumentiert

Eine Klassenfrage

Aus einer Erklärung der Kommunistischen Partei (Türkei) zur Armenien-Resolution des Bundestages
|    Ausgabe vom 17. Juni 2016

„Die vorgeschobene ‚Empörung‘ über die Resolution des deutschen Parlaments über den Genozid an den Armeniern bleibt im Rahmen der Bedürfnisse des türkischen Kapitalismus. Die Reaktion der AKP ist simuliert, denn der türkische Kapitalismus hat enge Beziehungen zu Deutschland.
Es ist nicht möglich für die Regierung, die kommerziellen, wirtschaftlichen und militärischen Beziehungen mit dem internationalen Kapitalismus und mit Deutschland in Frage zu stellen.
Das bedeutet, dass die Resolution Deutschlands für die AKP-Regierung nur ein Mittel ist, um ihre irrationale, nationalistische, chauvinistische Demagogie zu verstärken. Die Debatte um den Genozid ist nur ein Instrument, dass die AKP ausnutzt.
Es ist einfach lächerlich, die Darstellung des Völkermordes in diesem Ausmaß abzustreiten. Was den armenischen Menschen angetan wurde, war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, und das ist alles, was für uns zählt. (…)
Die armenische Frage war entstanden als Landfrage im späten 19. Jahrhundert. Die Neuverteilung von Land und Reichtum wurde nicht vom Natio­nalismus erzeugt. Im Gegenteil: Die Klassenkonflikte nahmen eine nationalistische Form an. (…) Die armenische Frage ist eine Klassenfrage. (…) Rassismus und Chauvinismus dienen dazu,  das zu verdecken.
Seit Jahrzehnten weigern sich die Imperialisten, ihre Schuld anzuerkennen. Sie haben in überheblicher Weise die Anerkennung des Völkermordes zu einem neuen Instrument der Manipulation gemacht. Solche fortgesetzten Einmischungen dienen dazu, die Rolle des Imperialismus bei diesen Ereignissen zu verbergen. Genauso verbergen sie, dass der imperialistische deutsche Staat jener Zeit der Mentor und Planer der Deportationen und des Völkermords war. (…)
Diese Frage kann man nicht nur mit Blick auf die Vergangenheit behandeln, denn ihre Ergebnisse sind gegenwärtig. Was in Frage gestellt werden muss, ist nicht die historische Legitimität unseres Landes und Volkes, sondern des Kapitalismus (…). Es ist der Imperia­lismus, der illegitim ist, der Projekte entwirft, um die Völker dieses Landes gegeneinander zu hetzen.“

Übersetzung aus dem Englischen: UZ


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (redaktion@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu »Eine Klassenfrage«, UZ vom 17. Juni 2016





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.