Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 8. Dezember 2017

Wenig Lohn
Die Künstlersozialkasse hat den besten Überblick über die ökonomische Situation von Menschen, die von ihrer künstlerischen Tätigkeit leben wollen. Die neuen Zahlen, die vor wenigen Tagen vorgelegt wurden, zeigen für die allermeisten von ihnen eine prekäre Lage. Danach verdient ein Maler mit seiner Kunst im Durchschnitt weniger als 12000 Euro im Jahr. Ein Opernsänger, der nicht festes Ensemblemitglied ist, kommt auf 11200 Euro und ein experimenteller Künstler (Videokunst, Performance und ähnliches) auf lediglich 9 100 Euro im Schnitt. Eine Schauspielerin, die nur für eine Aufführung gebucht wird oder sich mit Nebenrollen in TV-Serien durchschlägt, ist froh über 12500 Euro im Jahr. Mit einem Debütroman, der sich vielleicht 3 000 Mal verkauft, und das ist schon recht beachtlich, bringt es ein Autor auf einen Stundenlohn von 42 Cent. Er sitzt vielleicht ein ganzes Jahr lang am Text und schreiben kann er vielleicht am Wochenende oder nachts, denn tagsüber muss ein Brotberuf das Einkommen sichern. Soviel zur Wertschätzung, den Künstler genießen. Bejubelt, bestaunt und beneidet werden nur wenige, egal in welcher Kunstform, die für ihre Bilder Hunderttausende bekommen, Traumgagen beziehen oder Bestseller schreiben. Wie viele Künstler nicht weiter machen können und trotz Talent und Können aufgeben, kann auch die Künstlersozialkasse nicht beziffern, da aber jährlich rund 30 Prozent der Gemeldeten vom Vorjahr nicht mehr dabei sind, reden wir von Zehntausenden.
„Häutungen“
Knapp zwei Monate nach ihrem 70. Geburtstag ist die Schriftstellerin Verena Stefan an ihrem Wohnort in Montreal an Krebs gestorben. Stefans erstes Buch „Häutungen“ wurde 1975 zum Kultbuch der Neuen Frauenbewegung und auch international ein großer Erfolg. In diesem Buch analysierte sie bereits 1975 die „Aufenthaltsbedingungen“ für Frauen in der Welt der Männer. Als Ich-Erzählerin beschrieb sie ihren Aufbruch daraus und die Findung ihrer eigenen weiblichen Inte­grität. „Die soziologische Pyramide besteht fort: Die Spitze ist weiß, heterosexuell und männlich. Alles andere ist weniger wert“, brachte Verena Stefan die aktuelle Situation der patriarchalen Gesellschaftsordnung in einem Interview im Jahr 2008 auf den Punkt. Bestreiten muss man jedoch ihre Aussage „Sexismus geht tiefer als Rassismus und als Klassenkampf“, obwohl die alltäglichen Erfahrungen von Millionen Frauen und Mädchen dies scheinbar belegen.
Qumran-Ausstellung
Israel zieht sich aus einer geplanten Ausstellung der Schriftrollen vom Toten Meer in Frankfurt am Main zurück. Hintergrund sei die Weigerung der Bundesregierung, die Rückgabe der Rollen an Israel zu garantieren, wenn Jordanien oder die Palästinenser Ansprüche auf die Artefakte erheben sollten, berichtet die Zeitung „Jerusalem Post“. Das Bibelmuseum in Frankfurt sagte die für September 2019 angekündigte Ausstellung danach ebenfalls ab. Die sogenannten Qumran-Rollen wurden in den 1940er Jahren entdeckt und enthalten 2 000 Jahre alte jüdische Texte, darunter Abschriften aus der Bibel. Gegenwärtig sind die Schriftrollen im Besitz der Israelischen Antikenbehörde. Die Palästinensische Autonomiebehörde hat aber bei der Weltkulturorganisation Unesco einen Antrag eingereicht, in dem Israel zur Rückgabe der Handschriften aufgefordert wird. Der Fundort Qumran nahe dem Toten Meer stand vor 1967 unter britischer bzw. später jordanischer Herrschaft. Die palästinensische Autonomiebehörde betrachtet das Gebiet als Teil ihres künftigen Staates. So ist das mit den Ansprüchen derer, die als Besitz und Eigentum deklarieren, was durch Raub, Enteignung oder Geschachere, also schlicht durch Macht und Herrschaft, für sich und die Seinen gesichert wurde.


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Leserbrief zu »Kultursplitter«, UZ vom 8. Dezember 2017





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