Besser privat?

Einfluss des Bertelsmann-Konzerns im Bildungswesen
Von Lana Durek
|    Ausgabe vom 12. Januar 2018

„Aus dem Unbehagen, welches eigentlich jeder Bürger und Demokrat empfinden muss, wenn die Gesellschaft nicht zufriedenstellend geordnet ist, erwuchs mein Wunsch, bei der Besserung der Dinge behilflich zu sein.“ Dieses Zitat von Reinhard Mohn springt einem auf der Seite des Leitbildes der Bertelsmann-Stiftung direkt ins Gesicht. Nett von ihm, denkt man sich. Warum Herr Mohn und seine Stiftung das regeln sollen bzw. wollen, was eigentlich Aufgabe des Staates ist? Bereits ein vergangener GEW-Gewerkschaftstag stellte fest: „Die Bertelsmann-Stiftung verfolgt das Ziel, die Prinzipien unternehmerischen Handelns in allen Bereichen der Gesellschaft zu verankern“. Die dazugehörigen Prinzipien und Leitlinien: Wettbewerb, Markt, Führung, Effizienz und Effektivität.
Bei diesen Schlagworten lacht das Herz der Verfechter einer Durchsetzung der kapitalistischen Verwertungslogik im Bildungswesen. Und es wird sehr schnell klar, als welchen Staates Bürger Herr Mohn sich gefühlt hat und wem er bei der Besserung der Dinge hilfreich sein wollte.
Ein herausstechendes Beispiel hierfür ist das „Hilfsinstrument“ Selbstevaluation in Schulen (SEIS), welches von der Bertelsmann-Stiftung entwickelt wurde. Das Ziel von SEIS sei es, ein „tragfähiges Qualitätsverständnis von guter Schule“ zu erreichen. Nett von ihnen, denkt man sich. Selbstevaluation der Lehrqualität an einer Schule ist das eine. Kritisch wird es an dem Punkt, wo die Hilfsinstrumente so weit institutionalisiert werden, dass sie Rahmengeber werden. Im Falle von SEIS betrifft dies die länderspezifisch aufgestellten Qualitätsrahmen. Auf diesen Rahmen basieren die Überprüfungen der Schulinspektionen der Länder. Wenn also SEIS mit den Prinzipien der Stiftung – Wettbewerb, Markt, Führung, Effizienz und Effektivität – als Grundlage der Qualitätsrahmen dient, aus wessen Perspektive wird dann hier „gute Bildung“ gemessen?
Ein weiteres Beispiel für das Verankern der Konzerninteressen in der Bildungsdiskussion ist die Initiative „Digitalisierung der Bildung“. Ein Medienkonzern setzt sich für mehr Medienkompetenz in der Schule ein. Es werden Lehrerfortbildungen angeboten, auf der Seite finden sich Anleitungen zum perfekten Erklärvideo, alle Ebenen der Digitalisierung der Bildung werden unterfüttert und als fördernswert dargestellt. Auch hier sei an die Prinzipien erinnert. In Zeiten von Produktivkraftentwicklung zur Technologisierung aller Produktionsbereiche ist es natürlich notwendig, den Schülerinnen und Schülern so früh wie möglich technische Kompetenzen an die Hand zu geben. Das nennt man dann bei der Besserung der Dinge behilflich sein. Nett von ihnen.
Die Summen, welche das Gewinnschwergewicht Bertelsmann jährlich in seine Stiftung pumpt, um über seine Denkfabrik seine Interessen in der Bildung durchzusetzen, wäre durch direkte Abführung ins Bildungssystem wahrscheinlich besser aufgehoben. Und wäre tatsächlich behilflich bei der wahren Besserung der Dinge: Kaputte Schulgebäude, Personalmangel und teure Schulbücher wären vordringlich zum Guten zu wenden. Aber für solche Gedanken hätte Herr Mohn vielleicht eines anderen Staates Bürger sein müssen.


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Leserbrief zu »Besser privat?«, UZ vom 12. Januar 2018





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