Untersuchung und Darstellung

Von Herbert Münchow, Leipzig
|    Ausgabe vom 9. Februar 2018

Ich stimme der Kolumne von Hans-Peter Brenner zu, obwohl man gerade hinsichtlich des Anliegens von Dath geteilter Meinung sein darf, wie Herbert Becker unter „Treffend“ (Seite 11) deutlich macht. Das sollte aber nicht dazu führen, tatsächlich vorhandene Schwierigkeiten der theoretischen Aneignung der Lehre von Marx zu bagatellisieren. Marx waren diese Schwierigkeiten durchaus bewusst und er hat hier niemandem Konzessionen gemacht, obwohl er sich um die Form der Darstellung sehr bemühte, wie u. a. die französische Ausgabe des ersten Bandes des „Kapitals“ belegt. Es ist lohnenswert, wenn sich Propagandisten des Marxismus stets jener Gedanken erinnern, die Marx in seinem Brief an Lachatre vom 18. März 1872 äußerte: „Ich begrüße Ihre Idee, die Übersetzung des ‚Kapitals‘ in periodischen Lieferungen herauszubringen. In dieser Form wird das Werk der Arbeiterklasse leichter zugänglich sein, und diese Erwägung ist für mich wichtiger als alle anderen. Das ist die Vorderseite Ihrer Medaille, aber hier ist auch die Kehrseite: Die Untersuchungsmethode, deren ich mich bedient habe und die auf ökonomische Probleme noch nicht angewandt wurde, macht die Lektüre des ersten Kapitels ziemlich schwierig, und es ist zu befürchten, dass das französische Publikum, stets ungeduldig nach dem Ergebnis und begierig, den Zusammenhang zwischen den allgemeinen Grundsätzen und den Fragen zu erkennen, die es unmittelbar bewegen, sich abschrecken lässt, weil es nicht sofort weiter vordringen kann. Das ist ein Nachteil, gegen den ich nichts weiter unternehmen kann als die nach Wahrheit strebenden Leser von vornherein darauf hinzuweisen und gefasst zu machen. Es gibt keine königliche Heerstraße für die Wissenschaft, und nur diejenigen haben Aussicht, ihre lichten Höhen zu erreichen, die die Mühe nicht scheuen, ihre steilen Pfade zu erklimmen.“ (Marx, Engels, Briefe über „Das Kapital“, Berlin 1954, S. 216 f.)


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