Bei Wind und Wetter gegen Kriege

Seit über 16 Jahren organisiert die „Initiative Nordbremer Bürger gegen den Krieg“ Friedenskundgebungen
Von Gerd-Rolf Rosenberger
|    Ausgabe vom 23. Februar 2018

Die Initiative Nordbremer Bürger gegen den Krieg führte Mitte Februar ihre  800. Friedenskundgebung durch. Besondere Gäste waren diesmal Pastor Volker Keller, der ein Grußwort hielt und dabei über seine Reise nach Indien sprach. Hauptredner Professor Dr. Wolfram Elsner (Uni Bremen) lehrt Volkswirtschaftslehre und hat einen Lehrauftrag in der Volksrepublik China. Auch der Musikbeitrag des „Roten Krokodils“ war etwas Besonderes: Gesungen wurden „Die Antwort weiß ganz allein der Wind“  und  „Sag mir, wo die Blumen sind“.
Das erste Treffen ließ noch nicht ahnen, was ihm folgen würde. Am 30. Oktober 2001 trafen sich erstmals neun FriedensfreundInnen, darunter drei Mitglieder der DKP, um eine Aktion gegen den NATO-Angriffskrieg gegen Afghanistan – mit deutscher Beteiligung – zu planen. Am 9. November 2001 führten sie eine öffentliche Friedenskundgebung vor dem Kaufhaus Leffers in Bremen-Vegesack durch. Ursprünglich war nur eine Friedenskundgebung geplant, daraus sind inzwischen 800 geworden.
Die Friedensinitiative trifft sich bei Wind und Wetter jeden Freitag um 17 Uhr seit über 16 Jahren und führt einstündige Friedenskundgebungen durch. Thema waren die Angriffskriege gegen Jugoslawien, Irak, Afghanistan, Libyen, Jemen, Palästina/Israel, Syrien usw. Auch Hartz IV, Kinderarmut, Rentner­armut und der massive Sozialabbau wurden zu Themen. Bestandteile der wöchentlichen Kundgebungen sind die Moderation, eine Hauptrede, ein Friedensgedicht, Spendensammlungen für die Internationale Solidarität, eine Diskussion am Offenen Mikrofon und zum Abschluss das Singen eines Friedensliedes. Danach folgt eine Nachbereitung im Gustav-Heinemann-Bürgerhaus – insgesamt fast 4 Stunden Programm.
So hatte es auch das Programm der 800. Friedenskundgebung in sich. Elsner führte aus, dass die Veränderungen hin zu mehr Menschlichkeit, zu gesichertem Frieden und zu menschlichem und gesellschaftlichem Fortschritt auf absehbare Zeit nicht aus Deutschland bzw. EU-Europa und nicht aus anderen Zentren des Imperialismus kommen. Das kapitalistische System in seinem Abstiegskampf werde immer gefährlicher: Mehr Interventionskriege und Kriegstote, der Niedergang von Umwelt und Klima, die wachsende internationale Ungleichheit, die Gefahr atomarer Kriege, Verletzungen der Menschenrechte, Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus.
Beifall bekam Prof. Elsner, als er auf Kuba einging, die Inkarnation der Zärtlichkeit der Völker, mit seinen Tausenden Ärzten und eigenen Medikamenten, die überall in der Welt helfen, wo man sich Ärzte und Medikamente der Weltkonzerne nicht leisten kann. Haiti, für das die Friedensinitiative Bremen-Nord Spenden sammelte, wartete nach Erdbeben und Unwetter-Katastrophen vergeblich auf die zugesagte Hilfe der USA und der „freien“ Welt, während kubanische Ärzte sofort zur Stelle waren.
Professor Elsner wies zudem auf die Entwicklung in der Volksrepublik China hin. Die chinesische Arbeiterklasse sei mit Unterstützung der Kommunistischen Partei Chinas dabei, die Löhne um bis zu 8 Prozent zu erhöhen und ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern. Fast 20 Prozent der Fläche Chinas seien zu Naturschutzgebieten gemacht worden, gegen die Verwüstung gebe es umfangreiche Aufforstungsprogramme.


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