Kriegslüge in Vorbereitung

Uli Brockmeyer über die Konfrontationspolitik gegen Russland
|    Ausgabe vom 14. September 2018

Krieg beginnt mit einer Lüge. Als die USA im Jahr 2001 Afghanistan mit einem massiven Angriffskrieg überzogen, musste der 11. September als Begründung herhalten – obwohl Afghanistan bekanntlich überhaupt nichts mit den Flugzeugattentaten von New York zu tun hatte, sondern etliche Hintermänner eher in Saudi-Arabien verortet wurden. Die zweite Lüge bestand darin, die Taliban, die zuvor von den USA ausgebildet, finanziert und bewaffnet worden waren, nun zu erbitterten Feinden der USA zu erklären, weil sie angeblich den als Strippenzieher beschuldigten Osama bin Laden versteckt hielten
Vor dem Überfall der USA auf den Irak wurden Horrorgeschichten über Massenvernichtungswaffen verbreitet, die recht bald vor aller Welt als Lügen entlarvt wurden. Ähnlich war es beim Krieg gegen Libyen, an dem sich mehrere NATO-Länder als die Luftwaffe von islamistischen Banditen beteiligten. Auch dort wurden keine Massenvernichtungswaffen gefunden. Allerdings reichten die Lügengeschichten aus, um in beiden Ländern die bestehende Ordnung zu zerschlagen, die Staatschefs kurzerhand umzubringen und ein politisches, wirtschaftliches und militärisches Chaos anzurichten, unter dem nicht nur die Bewohner des Irak und Libyens, sondern die ganze Region bis heute leidet.
Beim Krieg der NATO gegen Jugoslawien war auch die deutsche Bundeswehr beteiligt, deren politische und militärische Führung sich jahrzehntelang militärischer Abenteuer enthalten musste, zumindest so lange, wie die DDR existierte – der einzige deutsche Staat, dessen Armee niemals an einem Angriffskrieg teilgenommen hat. Die Begründung für den Bundeswehr-Kriegseinsatz hat sich auch recht bald als faustdicke Lüge erwiesen, aber das Ziel des Krieges, nämlich die Zerschlagung der Föderativen Republik Jugoslawien, wurde erreicht, einschließlich des politischen, wirtschaftlichen und militärischen Chaos sowie des erhofften Nebeneffekts, „die Serben“ wieder zu Erzfeinden stilisieren zu können.
Schon damals wäre es beinahe zu militärischen Konfrontationen mit Russland gekommen. Doch zu Zeiten des Herrn Jelzin an der Spitze des russischen Staates machte man sich im Westen noch Hoffnungen auf eine allmähliche Vereinnahmung Russlands. Seit der Übernahme des Amtes durch Herrn Putin entwickeln sich jedoch manche Prozesse wieder etwas anders. Und allmählich wurde auch Russland wieder immer mehr zum „Erzfeind“.
Als wären die konfrontative Feindseligkeit der NATO, die immer engere Einkreisung Russlands durch NATO-Militärs, die Stationierung von NATO-Truppen unmittelbar an den russischen Grenzen nicht schon schlimm genug, wird jetzt offen über Kriegshandlungen nachgedacht, die eine militärische Konfrontation zwischen russischen und NATO-Truppen provozieren könnten.
Um einen neuen Überfall des Westens gegen Syrien zu „rechtfertigen“, wird die Lüge von „bevorstehenden Giftgaseinsätzen“ in der Provinz Idlib täglich neu aufgewärmt. Und jetzt wird auch im deutschen Kriegsministerium geplant, sich an „Vergeltungsschlägen“ zu beteiligen, die von den USA, Britannien und Frankreich vorbereitet werden. Angesichts der Rolle des russischen Militärs in Syrien birgt allein dieser Gedanke die Gefahr einer Erweiterung des Krieges mit unabsehbaren Folgen.
Es ist nun wirklich höchste Zeit, mit dem Säbelrasseln aufzuhören und über Frieden mit Russland nachzudenken!


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