Ein Markt für die USA?

McKinsey gibt Ratschläge zur Eroberung von Afrikas Konsumgütermarkt
Von Georges Hallermayer
|    Ausgabe vom 14. Dezember 2018
Markttag am Kilimandscharo – wenn es nach McKinsey geht, wird der heimische Lebensmittelmarkt durch Supermarktketten ersetzt. (Foto: Claus Bünnagel / pixelio.de)
Markttag am Kilimandscharo – wenn es nach McKinsey geht, wird der heimische Lebensmittelmarkt durch Supermarktketten ersetzt. (Foto: Claus Bünnagel / pixelio.de)

Acha Leke, Afrika-Chef von McKinsey, der südafrikanische Banker Mutsa Chironga und der McKinsey-Manager Georges Desvaux geben mit ihrem Buch „Africa‘s Business Revolution“ die Gebrauchsanleitung, „wie man im nächsten großen Wachstumsmarkt der Welt erfolgreich ist“, so der Untertitel. Für Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds, ist diese Revolutionsanleitung „ein leistungsfähiger und überzeugender Leitfaden, der praktisches Know-how für sozial wirkungsvolle Geschäfte erfasst.“
Die Webseite von der Unternehmensberatung McKinsey zieren überdimensioniert drei Zahlen, um das Ziel der Begierde zu beschreiben: In Afrika gibt es mehr als 400 Unternehmen mit einem Gewinn von über 1 Milliarde Dollar, Afrika ist mit 11 Millionen Quadratmeilen größer als China, Europa und die USA zusammen und dort betragen die Konsumausgaben 1,4 Billionen Dollar – mehr als in Indien.
Die Autoren des Handbuchs fassen ihre Strategie in zehn Gebote zusammen: Die neuen Technologien integrierend (1), eine Standortwahl (2) auf lange Sicht (3) in der zu beherrschenden Wertschöpfungskette (4), neue Bedürfnisse (5) mit Produkten zu niedrigen Preisen (6) zu befriedigen. Hierzu sei das politische örtliche Umfeld (7) zu berücksichtigen, Bestechung nicht einzusetzen (8), afrikanische Talente zu fördern (9) und die soziale Verantwortung (10) nicht zu vergessen.
Was die Kaufkraft betrifft, hatte McKinsey bereits 2012 den Fokus auf die wachsenden Mittelklasse Afrikas gerichtet, wo voraussichtlich bis 2025 Waren im Umfang von 2,1 Billionen Dollar nachgefragt werden. Und 95 Prozent der afrikanischen Mittelklasse lebten in 20 der 54 Länder des Kontinents – in 50 Großstädten.
Im Jahr 2011 hat die Volksrepublik China die USA als größten Handelspartner des afrikanischen Kontinents überholt. Damit wenigstens der Spitzenplatz als Investor in Afrika behauptet werden kann, kündigte US-Präsident Trump die Gründung einer neuen Entwicklungsagentur an. Die „International Development Finance Corporation“ (IDFC) soll einen Kreditrahmen im Volumen von 60 Mrd. Dollar haben. In der gleichen Höhe hat China in den letzten drei Jahren Kredite in Afrika vergeben, der chinesische Präsident Xi Jinping kündigte beim diesjährigen Chinesisch-Afrikanischen Forum (FOCAC) in Peking für die kommenden drei Jahre die gleiche Höhe an.
Trump besetzte die seit zwei Jahren vakante Position des für Afrika zuständigen Assistant Secretary of State mit Tibor Nagy, der seit Wochen im Kontinent auf „Good-will-tour“ ist. Um nur eine Station zu nennen: Mit etwa einer halben Milliarde Dollar über fünf Jahre subventioniert die Entwicklungsagentur „Millennium Challenge Corp.“ die Elektrifizierung ihres strategischen Partners Senegal.
Senator Chris Coons von den US-Demokraten brachte es auf den imperialistischen Punkt: Die neue Agentur IDFC „wird es uns ermöglichen, die Armut in Bereichen zu verringern, die für unsere nationale Sicherheit von entscheidender Bedeutung sind, mit dem chinesischen Einfluss in den Entwicklungsländern zu konkurrieren und US-Unternehmen zu helfen, zu wachsen und erfolgreich zu sein“.
Dazu, wie „der letzte große Wachstumsmarkt“ zu erobern ist, liefert McKinsey „die unverzichtbare Betriebsanleitung“, so Aliko Dangote, ein nigerianischer Unternehmer, der als reichster Mann Afrikas gilt.
Mittels modernster Technologie soll der afrikanische Markt revolutioniert werden: „Fraym“ heißt der auf Afrika spezialisierter Dienstleister: Ehemalige Mitarbeiter des Weißen Hauses in Washington, der Afrikanischen Entwicklungsbank, des Zentrums für Globale Entwicklung und der Initiative ONE haben sich 2015 zusammengetan, um, von Risikokapital finanziert, mit Hilfe von Satellite-Screening, Cloud-Computing und Geolocation aufzuzeigen, wo es sich lohnt zu investieren, wo es Kaufkraft abzuschöpfen gilt.
Fraym lokalisierte die fünf größten Märkte des Kontinents – Ägypten, Nigeria, Südafrika, Marokko und Algerien –, die zwei Drittel der afrikanischen Mittelklasse repräsentieren. Selbst wenn sich das Wachstum der afrikanischen Volkswirtschaften aufgrund der wirtschaftlichen Flaute verlangsamt, stellen Nahrungsmittel und Getränke nach wie vor die größte Verbrauchskategorie dar und machen rund 40 Prozent der Haushaltsausgaben in den Ländern aus.
Der weltgrößte Müsli-Produzent „Kellogg‘s“ expandierte dementsprechend in Westafrika: Über das Joint-Venture (mit 450 Mio. Dollar 50 Prozent an gemeinsamer Tochter Multipro) mit der Tolaram-Gruppe aus Singapur (die in Nigeria 1988 unter der Marke Indomie Instantnudeln zum Massenprodukt machte) stieg „Kellogg‘s“ in den Fertigprodukte-Markt ein.


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Leserbrief zu Artikel »Ein Markt für die USA?«, UZ vom 14. Dezember 2018





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