Meine Fresse

Dortmund geht unter
Von Karl Rehnagel
|    Ausgabe vom 12. April 2019

Statt 40 Leuten waren heute so an die 4500 im Laden. Classico und so. U., der Mann ohne Zähne, hatte unseren Tisch ab 13.30 Uhr freigehalten, sage und schreibe fünf Stunden vor Anpfiff. Zum Dank hustete er mir diese Tatsache nun alle zwei Minuten in die Ohren. Die Freundinnen der schönen M. waren nämlich wieder erschienen und das mache er „nie, nie, nie wieder“, dass er für solche Fremden einen Tisch freihält! Ah ja. Dortmunds Trainer Lucien Favre präsentierte eine Aufstellung, mit der man mit Sicherheit Schwierigkeiten gegen den FC Tasmania Poppenhausen bekommen hätte, und ich hatte die Ehre, dem Vater der schönen M. gegenüber zu sitzen. Dass die schöne M. selber quasi auf meinem Schoß saß, wegen der völligen Überfüllung des Ladens, half da auch nicht mehr. Meine Fresse.
Dortmunds „Leistungen“ auf dem Platz lassen sich wie folgt beschreiben:

Letztendlich konnten wir mit einem 0:5 zufrieden sein. Vielleicht werden die 4 450 Leute, die außer gegen Bayern nie zum Fußball kommen, ja jetzt ganz dolle Bayern-Fans. Dann hätte das ganze zumindest einen Sinn ergeben. Meine Fresse.
Und sonst? Wenn jemand Drama kann, dann Schalke 04. Verlieren in der 99. (!) Minute durch einen Hand-Elfmeter. Das ganze Stadion inklusive Trainer Huub Stevens rastet völlig aus. Stevens beschimpft Journalisten und sieht die ganze Welt against Schalke 04. Mein Tipp? Vielleicht einfach mal selber zwei Toren schießen! Leverkusen verkackt es zu Hause gegen Leipzig, ganz bitter, denn der Retortenclub des Brauseherstellers wird immer besser. Ich hab schon Leute mitbekommen, die „nie wieder Fußball gucken“ wollen, sollte Leipzig den DFB-Pokal holen. Ich kann‘s verstehen. Düsseldorf siegt selbst in Berlin und Freiburg geht in Mainz ganz böse mit 0:5 unter. Meine Fresse.
Und wir? Haken den Meistertitel mal besser ab. Egal wie die letzten sechs Spiele ausgehen, mit so einem ultrapeinlichen Auftreten wie in München braucht man das fatale „M-Wort“ überhaupt nicht mehr in den Mund zu nehmen. Oder, wie Johannes B. Kerner einst sagte: „Ich schlage vor, Sie halten sich jetzt die Augen zu. Ich sage nämlich jetzt die Bundesliga-Ergebnisse.“


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