Zur Propaganda für den Ukraine-Krieg

Die schickt der Kreml

Am Montag gab NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg dem mutlosen Journalistentross im Brüsseler Hauptquartier Feuer: „Große Siege“ habe Kiew errungen. Auf die verblüffte Bemerkung, in diesem Jahr sei das ja wohl nicht der Fall, beharrte der realitätsvergessene Norweger auf seiner Monumentalfiktion: Auch wenn die Frontlinie nicht bewegt worden sei, fänden intensive Kämpfe statt. Militärische Erfolge seien nur „teilweise in Qua­drat­metern“ zu messen.

Das hörte sich vor der mit viel Fanfaren angekündigten „Gegenoffensive“ Kiews im Frühjahr noch anders an. Aber wer redet gern vom Steckenbleiben? Selbst der Oberbefehlshaber Kiews, General Waleri Saluschni, sprach jüngst von „Patt“, was der damalige US-Generalstabschef Mark Milley schon vor einem Jahr tat.

Aber was gehen einen NATO-Generalsekretär ein Saluschni oder gar die Realität an? Umso schlimmer für beide, wenn nicht gesiegt wird. Und zwar „groß“, wie es Stoltenberg verlangt. Vorbild ist zum Beispiel Finnland: An der russisch-finnischen Grenze sind einige hundert Migranten angekommen. Die kann das frischgebackene NATO-Mitglied nicht aufnehmen, denn die schickt der Kreml. Also macht Helsinki dicht. Vorbildlich auch Kiew: Das gedachte am Samstag des „Holodomor“. Der ist eine Erfindung der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) aus den 1980er Jahren. Die Faschisten waren von der US-Fernsehserie „Holocaust“ aufgeschreckt worden: Juden als einzige Opfer? Flugs wurde aus der Hungersnot, die 1932 und 1933 mehrere Sowjetrepubliken traf, ein „Holodomor“ an den Ukrainern gebastelt. Der Bundestag – als oberste geschichtswissenschaftliche Instanz mit Expertise für Krieg und Vernichtung – hat den am 30. November 2022 als „Völkermord“ eingestuft. Am Gedenktag lobte Selenski in Kiew, es sei „extrem wichtig“, von Völkermord zu sprechen: „Sie wollten uns demütigen, töten, ausrotten. Sie haben versagt.“ Und Joseph Biden mobilisierte zum nächsten großen Sieg mit: Putin ist nicht nur Hitler, sondern auch Stalin. „Heute wird die landwirtschaftliche Infrastruktur der Ukraine wieder gezielt angegriffen – dieses Mal von Wladimir Putin als Teil seines Eroberungs- und Machtstrebens.“

Wenn die Kiewer es mit den vielen schönen NATO-Waffen schon nicht schaffen voranzukommen, dann bleiben sie und ihre Lieferanten wenigstens auf dem Feld der Propagandamätzchen unbesiegt.

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"Die schickt der Kreml", UZ vom 1. Dezember 2023



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