Streit um Nutzung von Flüssiggasterminal in Balhaf

Energie aus dem Jemen

Mit einer großen Militärparade feierte die Regierung in Sanaa den achten Jahrestag der „September-Revolution“. Im September 2014 waren starke Kräfte der Ansarallah in die Hauptstadt des Jemen vorgedrungen und hatten letztlich den damaligen Staatspräsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi vertrieben. 20.000 Sicherheitskräfte des Innenministeriums nahmen nun an der Parade teil, bei der gepanzerte Fahrzeuge, Drohnen und Raketen aus Eigenproduktion vorgestellt wurden.

Die Parade ist auch ein Zeichen dafür, dass der Waffenstillstand im Jemen, der Anfang August zum zweiten Mal verlängert wurde, eingehalten wird. Allerdings setzt Saudi-Arabien noch immer ein Ölembargo gegen den Jemen durch.
Mehr als ein Dutzend Tankschiffe mit Ziel Hodeidah im Jemen werden von saudischem Militär festgehalten – obwohl sie kontrolliert worden waren. Es ist ein Druckmittel Saudi-Arabiens im Streit um die Einkünfte aus der Treibstoffverteilung. Und es ist ein eindeutiger Bruch des Waffenstillstands, der die Lieferung von Treibstoff in den Jemen vorsieht. Immerhin: Internationale Flüge von und nach Sanaa finden im Rahmen der Waffenstillstandsvereinbarung statt.

Die Regierung der Ansarallah macht deutlich, dass sie sich trotz des Ölembargos nicht isoliert fühlt. Eine Regierungsdelegation hält sich gerade zu Gesprächen und Verhandlungen im Libanon auf. Einer der Gesprächspartner: der Generalsekretär der Hisbollah, Hassan Nasrallah.

Dagegen gibt es Streit unter den Mitgliedern des „Präsidialrats“, der nach dem Rücktritt des ehemaligen Präsidenten Hadi die Interessen Saudi-Arabiens im Jemen vertritt. Diese Streitereien verzögern die Freigabe von Geldern durch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Es geht dabei um drei Milliarden US-Dollar.

Wenig bekannt ist, dass der Jemen über ein Flüssiggas-Terminal verfügt, das bis zu Kriegsbeginn in Betrieb war. Eine Marginalie soll hier nicht unerwähnt bleiben: Der Preis von Flüssiggas (LNG) wird in US-Dollar pro BTU festgelegt – das heißt „British thermal unit“. Etwas blieb also vom britischen Imperium.

Das Flüssiggas-Terminal liegt in Balhaf, am Golf von Aden in der Provinz Schabwa. Dortige Kämpfe zwischen Truppen der von Saudi-Arabien unterstützten Regierung und Einheiten des „Südlichen Übergangsrats“ brachten diese Provinz und das LNG-Terminal in den Fokus des Interesses. Abubakr al-Kirbi – er war zwischen 2010 und 2014 Außenminister des Jemen – forcierte das Interesse: Er sprach auf Twitter davon, französisches Militär solle in Schabwa eingesetzt werden, um das Terminal zu schützen und in Betrieb nehmen zu können.

Es versteht sich von selbst: Europäische Regierungen haben ein Interesse daran, sich neue Quellen von Erdgas zu erschließen, auch wenn es um geringe Mengen geht. Dazu gehört auch eine Vereinbarung über eine strategische Partnerschaft im Energiesektor zwischen Frankreich und den Vereinigten Arabischen Emiraten – die selbst in den Krieg um den Jemen verstrickt sind. Doch Berichte über konkrete Planungen oder gar die Stationierung von Truppen sind bisher – bis auf den Tweet von Abubakr al-Kirbi – Fehlanzeige.

Die Regierung der Ansarallah nimmt diese Meldungen dennoch ernst. Der zuständige Minister, Ahmed Daris, erklärte, die Regierung in Sanaa werde die Inbetriebnahme des Terminals nicht zulassen, es sei denn, es sei im Interesse aller Menschen im Jemen.

Der Waffenstillstand im Jemen wird weitgehend eingehalten. Dennoch wurden seit April 216 Zivilisten verletzt und 108 getötet – sie fielen Minen oder den Resten von Cluster-Bomben zum Opfer.

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"Energie aus dem Jemen", UZ vom 23. September 2022



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