„Kulturwechsel“

Neben der geografischen Lage und der Wirtschaftskraft des Landes macht uns „unsere Größe“ zu einer militärischen Führungsmacht. Das führte Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht am 12. September in einer Grundsatzrede zur ersten deutschen Nationalen Sicherheitsstrategie aus. Aus ihrer Sicht sei ein „Kulturwechsel“ erforderlich. Um diesen zu befeuern, brachte sie einen jährlichen „Tag der Sicherheit“ in die Debatte. Die Bundeswehr sei zu verankern als zentrale Instanz für unsere Daseinsvorsorge. „Eine nachhaltige Zeitenwende erfordert mehr Geld“, stellte Lambrecht fest. Ein dringend notwendiger Schritt sei dabei das 100 Milliarden Euro schwere Sondervermögen für die Bundeswehr. Bereits im Vorfeld betonte Oberstleutnant i. G. Philipp Lange aus dem Verteidigungsministerium, dass die Bundeswehr auch in der NATO eine militärische Führungsrolle übernimmt und Lars Klingbeil, Vizevorsitzender SPD, hatte bereits im Juni einen Führungsanspruch für Deutschland in Europa beansprucht. Die Verwirklichung des Führungsanspruches hat natürlich auch ihren Preis und das Goethe-Institut ist einer dieser Kollateralschäden. Es sieht angesichts drastischer Einsparpläne einige seiner Einrichtungen im Ausland in ihrem Bestand gefährdet. Wegen beschlossener Kürzungen werden in den Ländern Südwesteuropas, Nord- und Südamerikas praktisch keine Kultur- und Bildungsaktivitäten mehr stattfinden. In anderen Ländern wird die Arbeit stark reduziert, hieß es aus dem Institut. Macht aber wohl nichts: Die Bundeswehr steht bereit, deutsche Kultur in alle Ecken dieser Welt zu tragen.

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"„Kulturwechsel“", UZ vom 16. September 2022



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