Der Krieg geht weiter. Nacht für Nacht greifen die USA Ziele im Iran an, dazu gehören Brücken, Hafenanlagen und andere zivile Einrichtungen. Der Iran bombardiert seinerseits vor allem US-Wirtschaftsinteressen und Einrichtungen des US-Militärs in Kuwait, Bahrain und Jordanien. Es wurden auch schon Kraftwerke, Entsalzungsanlagen und der Rohbau einer iranischen Atomanlage angegriffen. Bisher werden die gegenseitigen Angriffe noch zurückhaltend eskaliert, langsam, aber stetig. Und auch der Ölpreis steigt langsam. Doch der Iran und seine Verbündeten drohen mit einer Ausweitung des Kriegs, wenn die USA ihre Angriffe nicht einstellen.
China und Pakistan, die die viel Energie darauf verwendet hatten, mit dem „Memorandum of Understanding“ (MoU) einen Waffenstillstand zu erreichen, fordern zu einer Einstellung der Kämpfe auf. Chinas Außenminister Wang Yi betonte, das Übereinkommen sei hart erarbeitet worden und es sollte nicht kurz vor Erreichen des Ziels abgebrochen werden. Obwohl es Verhandlungen im Hintergrund gibt, treffen Angebote für einen kurzfristigen Waffenstillstand auf wenig Interesse beim Iran.
Saudi-Arabien goss Öl ins Feuer – in Absprache mit der Regierung der USA. Nach Jahren des Waffenstillstands gab es einen Angriff auf den Flughafen von Sanaa, gerade als ein Passagierflugzeug mit Teilnehmern an den Trauerfeiern für Ali Chamenei landen sollte. Das Flugzeug konnte einen Ausweichflughafen erreichen. Die Reaktion aus Sanaa war ein Angriff der Ansar Allah auf einen Flughafen in Saudi-Arabien.
Der Angriff traf auch Pakistan, das zwar zwischen USA und Iran vermittelt, aber auch in einem „Strategischen Verteidigungsbündnis“ mit Saudi-Arabien verbunden ist.
Vorerst gab es an dieser Front Entspannung. Die prompte Reaktion der Ansar Allah und Warnungen vor weiteren Angriffen brachten die saudische Aggression zum Halt. Unterschiedliche Interessen und Differenzen innerhalb des Königshauses trugen das Ihre dazu bei.
Für Benjamin Netanjahu und seine Regierung ist die jetzige Situation vorteilhaft. Israel hält sich zurzeit ganz aus diesem Krieg heraus und konzentriert sich auf den Krieg im Libanon. Nur die mehr als 30 Tankflugzeuge der USA, die sicherheitshalber in Israel geparkt sind, stören das Bild. Sie könnten Angriffe des Iran provozieren, was Israel vermeiden will.
Die USA betreiben den Krieg gegen Iran mehr als nur militärisch. Das Land soll isoliert werden, die Seeblockade ist wieder in Kraft, die USA wollen neue Sanktionen verhängen und Länder der Region sollen gegen den Iran in Stellung gebracht werden. Libanons Präsident Joseph Khalil Aoun besuchte Donald Trump und sucht eine Einigung mit Israel auf Kosten der Hisbollah und der Gemeinden im Süden des Landes. Das Gleiche gilt für den Ministerpräsidenten des Irak, Ali al-Saidi, der die enge Zusammenarbeit mit den USA bei der Ölproduktion sucht. Auch hier zu Lasten der schiitischen Bevölkerung im Süden des Landes. Immerhin will er auch den Iran besuchen.
Während die USA versuchen, mit ihren militärischen und politischen Maßnahmen den Iran auszuhungern, reagiert der Iran auf seine Weise. Die Straße von Hormus bleibt gesperrt. Immer wieder gibt es Versuche der USA, Schiffe an der Kontrolle des Iran vorbei durch den Seeweg zu bringen, in der Regel vergebens. Die militärischen Maßnahmen des Iran bleiben effektiv. Die von Trump angekündigte umfassende Zerstörung von Kraftwerken und Brücken bleibt vorerst aus. Der Iran hat deutlich gemacht, dass er gemeinsam mit seinen Verbündeten im Irak und im Jemen jederzeit zu einer Eskalation willens und in der Lage ist. Am Montag war es dann soweit. Nach Jahren der Blockade des Jemen durch Saudi-Arabien verhängten die Ansar Allah ihrerseits eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien.









