Für viele kleine Betriebe bedeutet der Lockdown die Pleite

Zwangsurlaub ohne Ende

Vieles spricht dafür, dass der Lockdown noch einmal verlängert wird. Die Bundesregierung sieht im Home-Office die Lösung. Aber was ist mit denen, die kein Home-Office machen können? UZ sprach mit Steven Huber, der Koch lernt und in einem kleinen Betrieb mit zwei Festangestellten und mehreren Aushilfen arbeitet.

UZ: Wie sieht deine derzeitige Arbeitssituation aus?

Steven Huber: Ich bin quasi im Zwangsurlaub und weiß jetzt nicht, was passiert, wenn ich keine Urlaubstage mehr habe. Ich kann nur abwarten. Ich war schon vor zwei Wochen für eine Woche im Zwangsurlaub, dann hatte ich eine Woche Berufsschule und seit dieser Woche bin ich wieder im Urlaub.

UZ: Wann hast du das letzte Mal in deinem Betrieb gearbeitet?

Steven Huber: Das letzte Mal war ich dort Mitte Dezember. Jetzt ist der Betrieb komplett zu. Im ersten Monat des Lockdown hatten wir noch Geschäftsabholung gehabt, aber das hat sich überhaupt nicht gelohnt, darum ist seit Mitte Dezember zu.

Vor dem Lockdown lief es zeitweise ganz gut, bis die Fallzahlen wieder gestiegen sind, und dann kamen natürlich weniger Leute, bis dann wirklich der Lockdown kam.

UZ: Du machst seit September letzten Jahres eine Ausbildung zum Koch. Wie sah deine Ausbildung bis jetzt aus?

Steven Huber: Für die Ausbildung fand ich es eigentlich gut, dass so wenig Geschäft war, dadurch konnte sich mein Chef Zeit für mich nehmen und mir Sachen beibringen, die sonst wahrscheinlich nicht gegangen wären. Aber seit dem Lockdown und seit Online-Unterricht ist, findet keine Ausbildung mehr statt.

UZ: Hofft dein Chef noch, dass es wieder besser wird?

Steven Huber: Ich habe vor zwei Wochen mit ihm gesprochen und er meint, es sieht sehr schlecht aus. Er fürchtet, dass ab März einfach kein Geld mehr da ist und er nicht mehr aufmachen kann.
Entlassen wurde bis jetzt niemand von den Festangestellten. Die Bedienungen und Küchenhilfen, die halt mal für ein paar Stunden da waren, die kommen einfach nicht, bekommen aber auch kein Geld.

UZ: Wie läuft der Online-Unterricht?

Steven Huber: Das hängt sehr stark von den Lehrern ab. Manche haben es sehr schnell geschafft, mit der Plattform Unterricht per Video und hochgeladenen Arbeitsblättern zu geben. Manche schaffen das nicht. Bei denen, zum Beispiel in Ethik, findet dann einfach nichts statt. Am ersten Online-Schultag vor den Weihnachtsferien ging die Plattform nicht, aber seitdem haben sich die Störungen gelegt.

UZ: Sprichst du mit deinen Mitschülern über eure gegenwärtige Lage?

Steven Huber: Ich frage ab und zu, wie es bei allen so läuft – auch weil ich in der Gewerkschaft aktiv bin –, aber die meisten sind nicht älter als sechzehn. Da denkt man nicht groß nach, was in ein oder zwei Jahren ist. Manche von denen machen jetzt noch Liefergeschäft – gerade die, die in Pizzerien lernen. Für die läuft es ganz gut, die können weiter zur Arbeit. Andere sind wie ich im Urlaub.

UZ: Hast du dir schon Gedanken gemacht, was du machst, wenn dein Betrieb nicht überlebt?

Steven Huber: Ehrlich gesagt, kann ich mir nichts anderes vorstellen, als Koch zu werden. Bevor ich die Ausbildung angefangen habe, war ich arbeitslos. Ich weiß nur, dass ich nicht wieder in eine Maßnahme von der Arbeitsagentur will.

Über den Autor

Christoph Hentschel (Jahrgang 1980) ist Politikwissenschaftler und Redakteur für „Politik“. Er arbeitet seit 2017 bei der Zeitung der DKP.

✘ Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (leserbriefe (at) unsere-zeit.de)

"Zwangsurlaub ohne Ende", UZ vom 5. Februar 2021



    Bitte beweise, dass du kein Spambot bist und wähle das Symbol Schlüssel aus.

    Vorherige

    Viele Verlierer, wenige Gewinner

    Kanonenbootpolitik

    Nächste