Triage

In der Bundesrepublik Deutschland wird heute vor dem Hindergrund der Corona-Pandemie ernsthaft über das Thema „Triage“ diskutiert. Der Begriff entstammt der Militärmedizin. Bei unzureichenden Ressourcen wie Medikamenten und medizinischem Personal wird ausgewählt, wer in welcher Reihenfolge behandelt wird. Die Soldaten, die schnell wieder für die Schützengräben einsatzfähig gemacht werden können, werden bevorzugt behandelt, die mit geringen Überlebenschancen überhaupt nicht.

Aktuell hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass behinderte Menschen bei einer drohenden Triage von Covid-Erkrankten auf den Intensivstationen unserer Krankenhäuser nicht benachteiligt werden dürfen. Das Urteil ist zu begrüßen, blendet aber das Wesentliche aus: Die Triage wird nicht in Frage gestellt.

Kriege haben ebenso Ursachen wie der bereits vor Corona existierende Personalmangel in unseren Krankenhäusern, verursacht durch eine gnadenlose Überlastung der Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitswesen und in der Pflege. Ihre angemessene Entlohnung steht der Kommerzialisierung von Krankenhäusern und Seniorenzentren im Wege. Da gilt: Profit first! Wer heute über die Triage spricht, kann zum Kapitalismus nicht schweigen.

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"Triage", UZ vom 7. Januar 2022



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