Der Kulturstaatsminister hat es nicht leicht: Da will man mal eben still und leise Buchhandlungen ihren Preis aberkennen, und dann empören sich nicht nur die blöden Buchhändlerinnen und Buchhändler und solidarisieren sich mit ihren Kollegen. Die Öffentlichkeit stellt sich auch noch an die Seite der Buchhändler. Also erklärt der Kulturstaatsminister allerlei Unsinn von Verfassungsschutzerkenntnissen, die er selber aber gar nicht kenne, und nennt die Buchhändler in einem Interview „politische Extremisten“. Das sollte die Öffentlichkeit ja nun verstehen, dass solchen Menschen kein Preis zusteht. Pech nur, dass die Buchhändler sich dagegen wehrten. Sie zogen vor Gericht, der Kulturstaatsminister verlor und hat nun ein offizielles Dokument, das ihm verbietet, die Buchhändler so zu bezeichnen. Peinlich, könnte man meinen, da hält man sich vielleicht ein bisschen zurück beim nächsten Preis. Doch nicht so Wolfram Weimer.
Der Deutsche Verlagspreis wird in diesem Jahr zum achten Mal vergeben. Dort werden unabhängige Verlage für ihre Arbeit geehrt, drei mit einem Preisgeld von 50.000 Euro, 79 weitere mit 18.000 Euro. Viel Geld für die oft am Existenzminimum arbeitenden kleinen Verlage. Aber wenn das Verkaufen von Büchern schon ein Stein des Anstoßes für den Kulturstaatsminister sein kann, was ist dann mit dem Verlegen von Büchern?
Am besten, so wird sich Weimer gedacht haben, ändert man flugs das Verfahren – kennt ja eh niemand so genau – dann muss man sich auch nicht so blöd einmischen wie bei den Buchhändlern. Und so meldete der „Deutschlandfunk“ in der vergangenen Woche: „Nach dem Wirbel um den Deutschen Buchhandlungspreis hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer das Auswahlverfahren bei einer anderen Auszeichnung verändert – dem Deutschen Verlagspreis. Laut seiner Behörde trifft Weimer die Auswahl der Verlage nun selbst auf der Grundlage einer Jury-Empfehlung.“ Da kann ja nun aus Sicht Weimers nichts mehr schief gehen. Die Jury macht Vorschläge, der Kulturstaatsminister fragt den Verfassungsschutz um Rat und am Schluss kann sich niemand beschweren, wenn fortschrittliche Verlage nicht mehr gefördert werden. Die Gewinner sind schließlich ehrlich ausgesucht worden. Sogar der Börsenverein des deutschen Buchhandels zeigt sich zufrieden mit dieser Änderung hin zu „Transparenz“.
Von den Verlegerinnen und Verlegern kam jedoch Kritik. Wie unabhängig sei so ein Preis denn noch, wenn der Kulturstaatsminister – wie beim Buchhandlungspreis – entscheidet, welche politische Überzeugung von Förderung ausgeschlossen wird? Eine Sprecherin des Kulturstaatsministers versuchte im Interview mit dem „Börsenblatt“ Schadensbegrenzung: „Die Darstellung, Staatsminister Weimer habe das Verfahren geändert und entscheide nun selbst über die Preisträger, trifft nicht zu.“ Wie in den Vorjahren spreche die unabhängige Jury ihre Empfehlungen aus, „denen unser Haus – wie bisher – folgt.“ Neu sei lediglich, dass der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Kurt-Wolff-Stiftung ein Beratungsgremium stellen, „für den Fall, dass Fragen aufkommen“.
Was denn nun, werden die Empfehlungen der Jury übernommen? Oder werden die Empfehlungen überprüft und man zieht auch ein Beratergremium zu Rate, bevor der Kulturstaatsminister entscheidet?
Klar ist, Wolfram Weimer will keine Kulturförderung ohne Gesinnungsprüfung. Und was die Unabhängigkeit der Jury angeht: Diese wird vom Kulturstaatsminister berufen. Vorsitzender ist in diesem Jahr Jörg Thadeusz. Der Moderator und professionelle Preisverleiher (unter anderem Theodor-Wolff-Journalistenpreis oder Deutscher Reporterpreis) verkündete bei „Spiegel online“: „Leute fühlen sich auf den Schlips getreten, weil Wolfram Weimer irgendwelchen Zausel-Buchhandlungen kein Geld zubilligt.“ Und falls es noch jemand nicht verstanden hat, fügt er hinzu, dass er „die Frage, wem der Staat alles Geld gibt, durchaus überlegenswert“ findet. Er zahle schließlich in Berlin Steuern, „wo nach den derzeitigen Wahlumfragen die Linkspartei, die mit mutmaßlichen Anhängern der Hamas schon gemeinsam ein Sommerfest gefeiert hat, einem Wahlsieg entgegensieht“. Staatsräson goes Verlagspreis. Ganz unabhängig natürlich.









