Tagung zum Nutzen des Dialektischen Materialismus

Orientierung suchen

Julian Lämmrich

„Warum sollten wir uns mit Dialektischem Materialismus beschäftigen?“, fragten sich Genossinnen und Genossen der Marx-Engels-Stiftung und der Gesellschaft für dialektische Philosophie. Sie kamen zu dem Schluss, dass die systematische Auseinandersetzung mit den philosophischen Grundlagen innerhalb der kommunistischen Bewegung nur unzureichend stattfindet. Diese Leerstelle unserer Bewegung gilt es zu schließen. Um der Debatte einen Anstoß zu geben und die Auseinandersetzung wieder in Gang zu bringen, findet vom 13. bis 15. November eine Tagung statt. Unter dem Motto „Vom Nutzen des Dialektischen Materialismus für kommunistische Politik“ soll in der Karl-Liebknecht-Schule in Leverkusen diskutiert werden.

Doch warum sollten wir uns mit Philosophie beschäftigen, wenn die politischen Herausforderungen so offensichtlich und dringlich sind? Weil sie keineswegs bloß eine sekundäre Angelegenheit ist. Die philosophischen Grundlagen unseres Denkens beeinflussen, wie wir die gesellschaftliche Wirklichkeit verstehen, ihre Widersprüche erkennen und politische Schlussfolgerungen ziehen. Der Dialektische Materialismus ist damit ein wesentlicher Baustein kommunistischer Politik.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Theorie und Praxis in ein künstliches Konkurrenzverhältnis zu setzen. Beide stehen in einem dialektischen Verhältnis: Theorie ist jener Teil der politischen Praxis, der diese spiegelt und handlungsorientierend auf sie einwirkt. Zugleich ist die Theorie vollkommen abhängig von der politischen Praxis, denn die gesuchte Orientierung liegt in der stets sich verändernden Praxis verborgen. Daher darf die Philosophie nicht als abgeschlossenes Gedankengebäude verstanden werden.

Das Programm für dieses Wochenende ist so gestaltet, dass ausreichend Zeit für Verständnisfragen und Rückfragen an die Referenten sowie für eine gemeinsame Diskussion bleibt. Umfangreiches Vorwissen wird nicht vorausgesetzt. Was zählt, ist die Bereitschaft zu einer offenen und produktiven Debatte. Selbstverständlich sind diejenigen willkommen, die zunächst einfach zuhören und die Gedanken auf sich wirken lassen möchten.

Das Abschlusspodium greift im Sinne des politischen Charakters der Veranstaltung eine aktuelle Streitfrage auf: Vor dem Hintergrund unserer weltanschaulichen Grundlage und Methode behandeln wir die Einschätzung des Imperialismus. Die Analyse der internationalen Ordnung müssen wir in einer kontinuierlichen Auseinandersetzung behandeln. Das betrifft sowohl unsere Analysefähigkeit als auch die handlungsorientierenden Schlussfolgerungen. Die Frage, wen organisiert man gegen was und wofür, ist schließlich der Kern unseres Anliegens.

„Vom Nutzen des Dialektischen Materialismus für kommunistische Politik“
13. bis 15. November, Karl-Liebknecht-Schule, Leverkusen
Anmeldung: marx-engels-stiftung.de/Veranstaltungen
Programm:
Freitag
Julian Lämmrich: „Probleme und Fragen im Umgang und Bearbeitung der dialektischen Philosophie in der kommunistischen Bewegung“
Samstag
Martin Küpper: „Die Dialektik des Materiellen“
Arnold Schölzel: „Zur Begriffsentwicklung des Imperialismus bei Lenin von Fritz Kumpf“
Lena Kreymann: „Natürlich künstlich: Zum Verhältnis von Mensch, Natur und Technik“
Andreas Hüllinghorst: „Politik als Dialektik des Aufhebens und Verwirklichens von Proletariat und
Philosophie“
Daniel Bratanovic: „Über das Interregnum bei Antonio Gramsci“
Sonntag
Podiumsdiskussion: „Dialektik des Imperialismus“ mit Dietmar Dath (Publizist und Autor), Patrik Köbele (Vorsitzender der DKP), Freya Pillardy (Stellvertretende Vorsitzende SDAJ) und Luca Schneider (Kommunistische Organisation) – Moderation: Daniel Bratanovic (Chefredakteur der Tageszeitung „junge Welt“)

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"Orientierung suchen", UZ vom 30. Oktober 2026



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