Am 9. Juli protestierten Beschäftigte von VW, Porsche und Audi an über einem Dutzend Standorten gegen Werkschließungen und massiven Personalabbau. Bereits in der vorherigen Woche, am 3. Juli, hatten 33.000 Mercedes-Beschäftigte an zehn Standorten gegen die Angriffe des Konzernvorstands auf die 35-Stundenwoche und Sonderzahlungen demonstriert. An beiden Tagen zeigten die Kolleginnen und Kollegen, dass Unmut und Wut in den Belegschaften tief sitzen. Sie sehen sich einer Angriffswelle durch Kapital und Regierung ausgesetzt, die soziale und gewerkschaftliche Errungenschaften zerstören soll.
Der Kampf gegen diese Angriffswelle wurde am 9. Juli mit kleineren Aktionen fortgesetzt. So organisierten Beschäftigte von Mercedes und Porsche an diesem Tag einen Autokorso durch Stuttgart. Das Motto lautete „Vorfahrt für Solidarität! Autokorso für einen starken Sozialstaat und sichere Arbeitsplätze!“ Am gleichen Tag fanden die Proteste bei VW statt. Die Kolleginnen und Kollegen von Mercedes fuhren zudem bei Porsche vorbei, um den Beschäftigten den Rücken zu stärken. Denn dort standen Verhandlungen mit der Geschäftsleitung auf dem Programm.
Nachdem sie den Verkehr in Zuffenhausen für eine Zeit lahmgelegt hatten, ging es zum Fernsehturm und von dort rollte der Corso aus rund 250 Fahrzeugen zwei Stunden lang laut hupend durch Stuttgart. Aus den Fenstern wehten IG-Metall-Fahnen, von verschiedenen Brücken und vor dem Gewerkschaftshaus hingen weitere Fahnen und Transparente.
Bei der Abschlusskundgebung am Fernsehturm zeigte Miguel Revilla, Vertrauenskörperleiter der IG Metall bei Mercedes Untertürkheim, klar auf, wohin der Protest gehen muss: Die Maschinen müssen stehen. Die bisherigen Proteste könnten nur als kleiner Schritt in einem langen Kampf angesehen werden. 2026 müsse das Jahr sein, in dem andere Formen des Widerstandes gelernt und in dem wir härter werden müssten als in den letzten 30 Jahren, so Revilla. Die Kapitalseite müsse wieder spüren, was Klassenkampf bedeute. Auch Toni Potenza von der Geschäftsführung der IG Metall Stuttgart betonte, dass die aktuellen Proteste erst der Startschuss seien und dass diese Fahrt aufnehmen müssten. „Solidarität gewinnt“, lautete sein Schlusswort. Einige Kolleginnen und Kollegen von Mercedes Untertürkheim haben das bereits gezeigt, indem sie sich an den Protesten „Kommunen am Limit“ in Stuttgart beteiligten, die am 18. Juli stattfanden.
Auch beim Autozulieferer ZF Friedrichshafen am Bodensee rumort es gewaltig. Auf einer Betriebsversammlung am 14. Juli pfiffen die 5.000 Kolleginnen und Kollegen die Personalvorständin Lea Corzilius minutenlang kräftig aus. ZF will die übertariflichen Zulagen streichen, die im Schnitt rund 10 Prozent des Lohns ausmachen. Inoffiziell ist die Rede davon, dass dieser Lohnraub rund 60 Millionen Euro jährlich in die Kassen des Konzerns spülen würde. Das Werk Friedrichshafen hat 2025 rund 220 Millionen Gewinne gemacht, ist inoffiziell zu hören. Dass es da bei den Beschäftigten brodelt und die Wut wächst, liegt auf der Hand. Deshalb hat die Belegschaft den Betriebsrat mit großer Mehrheit beauftragt, sich für den Erhalt dieser Zulagen einzusetzen. Die Betriebsversammlung wurde unterbrochen und soll nach den Sommerferien fortgeführt werden. Wie genau, soll eine Überraschung für den Vorstand sein, kündigte der Betriebsratsvorsitzende an.
Auf den Versammlungen und Protesten in der Region Stuttgart ist zu spüren, dass die Belegschaften wieder mehr gemeinsam agieren, sich vernetzen und sich solidarisch unterstützen. Noch sind es zarte Pflänzchen, die weiter aufgepäppelt werden müssen. Sie können jedoch der Anfang, der erste Auftakt für eine Ausweitung und Intensivierung der gemeinsamen Kämpfe sein. Alle sind gleichermaßen den Angriffen durch das Kapital und durch die Regierung ausgesetzt – das ist in Reden und Diskussionen immer wieder zu hören. Klar ist auch, dass die Kämpfe dagegen zusammengeführt werden und dass sie nach dem Sommer weitergehen müssen. Die Tarifrunde im Herbst muss für Proteste gegen Arbeitsplatzvernichtung, Abbau tariflicher Errungenschaften und Sozialraub genutzt werden. Bei einigen – wenn auch bei weitem nicht bei allen – ist inzwischen angekommen, dass die Hochrüstung bekämpft werden muss, um den Sozialabbau zu verhindern.
Für den 26. September hat der DGB bundesweiten Protest angekündigt. In über einem Dutzend Städten wird es Demonstrationen gegen die Kürzungspolitik der Bundesregierung geben. In diese Proteste muss auch die Friedensfrage hineingetragen werden. Und auch die Frage, wie perspektivisch bundesweite Streiks organisiert werden können.









